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Schnee: Das wichtigste Element für den Langläufer

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Südostschweiz

Spitzensport – für die meisten Athletinnen und Athleten bedeutet dies harte Arbeit, Entbehrungen und eine grosse Portion Leidenschaft. Im Format «Sportlerblog» schreiben junge Bündner Sporttalente über ihren Weg an die Spitze.

von Marino Capelli

Jeder Langläufer kann es kaum erwarten, bis er wieder auf Schnee seine Trainingseinheiten absolvieren kann. Die einen müssen ein wenig länger warten, andere können schon früher auf Schnee in freier Natur. Ich habe das Privileg, dass ich schon recht früh draussen auf Schnee trainieren kann.

Nun fragt man sich – zurecht – wo zum Teufel kann man bei den teilweise viel zu warmen Temperaturen und dem vielen Regen schon auf Schnee trainieren? Die Antwort lautet: Auf sogenannten «Snowfarms». Dabei handelt es sich um künstlichen Schnee, welcher im vorangegangenen Winter produziert wurde. Dazu wird auf einen günstigen Zeitpunkt in der Wintersaison gewartet, wo es genügend kalt ist und ausreichend Wasser vorhanden ist. Auf diese Weise kann man «relativ» Ressourcen schonend Kunstschnee erzeugen.

So wird im Oktober die Flüela-Loipe präpariert

Davos hat in diesem Bereich eine Vorreiterrolle eingenommen. Als eine der ersten Destinationen haben sie sich entschieden, Snowfarming zu betreiben. Ich kann mich noch gut erinnern, als vor gut zehn Jahren im Spätherbst die erste knapp 500 Meter lange und nur flache Loipe ausgelegt wurde. Für mich als kleiner Junge war es richtig cool, schon Ende Oktober vor der Haustüre auf die Loipe zu können.

Nicht nur ich, sondern auch das ganze Projekt mit der Snowfarm haben sich in diesen rund zehn Jahren massiv weiterentwickelt. So wurde der Standort weiter nach hinten ins Flüelatal verschoben, wo es mittlerweile eine künstliche Vertiefung für das Schneedepot gibt. Der ganze Schneehügel, welcher im Frühjahr übrigens mit Sägemehl abgedeckt wird, damit der Schnee deutlich weniger schmilzt, reicht nun für rund vier Kilometer abwechslungsreiche Loipe auf der Flüela-Weltcupstrecke. In Mitteleuropa ist Davos einer der wenigen Orte mit einer Snowfarm und meines Wissens auch der grösste.

Der nicht ganz einfache Transfer auf die Skier

Dank der Snowfarm kann ich mein Sommertraining fast einen Monat früher beenden. Schon seit Ende Oktober bin ich beinahe täglich auf dem Schnee. Daneben absolviere ich pro Woche noch zwei Einheiten im Kraftraum und ab und zu noch etwas zu Fuss. Die restliche Zeit verbringe ich im Flüelatal. Zu Beginn der Saison ist es extrem wichtig, dass wir uns stark auf die Technik konzentrieren, denn leichte Unterschiede gibt es beim Wechsel von den Roll- zu den Langlaufskiern eben doch noch.

Wenn man aber gut darauf achtet, hat man nach wenigen Schneetrainings alles wieder im Griff und «technische Wechselfehler» können vermieden werden. Das Ziel ist es nun, möglichst viele und qualitativ gute Schneeeinheiten vor den ersten Wettkämpfen sammeln zu können. Denn ich finde es immer schwierig, das im Sommer Trainierte – egal ob technischer Natur oder auch im physischen Bereich – dann auch effektiv in der Loipe umzusetzen. Je mehr man jedoch die Möglichkeit hat, dies auf Schnee zu «üben», desto besser kommt es. Darum bin ich der Gemeinde Davos auch sehr dankbar, dass sie Jahr für Jahr diesen immensen Aufwand betreibt, um uns Langläufer optimale Trainingsbedingungen zu schaffen.

Der 23-jährige Davoser ist Langläufer im U24-Kader von Swiss Ski. Seit er mit sechs Jahren mit dem Langlaufen begann, hat ihn diese Leidenschaft nicht mehr losgelassen. Seit der Matura am Sportgymnasium Davos 2016 ist Capelli Profilangläufer. Für «suedostschweiz.ch» berichtet er in der Saison 2019/20 über seine Erlebnisse und Erfahrungen als Sportler.

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