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Lieblingsmonat Dezember

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Südostschweiz

Spitzensport – für die meisten Athletinnen und Athleten bedeutet dies harte Arbeit, Entbehrungen und eine grosse Portion Leidenschaft. Im Format «Sportlerblog» schreiben junge Bündner Sporttalente über ihren Weg an die Spitze.

von Luana Flütsch

Die bald 24-Jährige aus St. Antönien ist Skirennfahrerin im B-Kader von Swiss Ski. Vergangene Saison debütierte sie im Weltcup. Dies, nachdem sie sich von einer komplizierten Schienbeinverletzung zurückgekämpft hatte. 2018/19 will Flütsch an die starke Vorsaison anknüpfen.

Der Dezember ist schon seit jeher mein Favorit unter den Monaten. Die Lichter, die Stimmung, der Geruch, die Hektik und besonders die Vorfreude auf Weihnachten machen ihn so besonders für mich. Dies wirkt sich irgendwie auch auf den Sport aus, ohne genau zu wissen, weshalb.

Doch wenn ich so dasitze und genau an diesen verrückten Dezember zurückdenke, kann ich nicht anders, als den Kopf zu schütteln und zu lachen. Wow, was für Emotionen ich erlebte bei den Europacuprennen in Zauchensee. Das erste Mal in meiner Karriere auf einem Europacup-Podest zu stehen, und das in einer Disziplin, in der ich es am wenigstens erwartet habe. Nach den zwei obligatorischen Abfahrtstrainings sah es noch nicht nach Podest aus. Zweimal verlor ich etwas zu viel Zeit, trotz vollem Einsatz. Dennoch war die Freude gross, einfach, weil ich die Strecke mag und weil Weihnachten vor der Türe stand.

«Doch es war einfach niemand mehr schneller. Was für ein unglaublicher Tag.»

Ich versuchte, es nur zu geniessen und meinen Renninstinkten zu folgen, was sich später ausbezahlte. Nach der ersten Abfahrt belegte ich den fünften Rang, was bereits ein grosser Erfolg und meine bisherige Bestplatzierung war. Doch es sollte noch besser kommen, denn unmittelbar nachher folgte gleich die zweite Abfahrt, bei welcher ich wirklich keine Erwartungen hatte, sondern einfach wusste, dass alles funktionierte.

Ich fuhr ins Ziel und hatte keine Vorstellung, was diese Fahrt wert war. Platz 3 strahlte entgegen und ich dachte mir noch nicht zu viel dabei. Ein kleiner Freudenschrei gab es trotzdem, als der Speaker es aussprach – nur schon, weil es so gut klang. Ich wartete im Ziel gespannt auf die weiteren starken Athletinnen und fragte mich, für welchen Platz es wohl reichte. Doch es war einfach niemand mehr schneller. Was für ein unglaublicher Tag.

Luana Flütsch hat derzeit allen Grund zum Strahlen. BILD ZVG

Der letzte Renntag dieses Jahres stand bevor. Für den Super-G waren einige Weltcupathletinnen direkt von Gröden angereist, doch das war mir in diesem Moment irgendwie ziemlich egal, denn ich war müde, gleichzeitig aber auch sehr glücklich. «Luana, du bist verrückt», war der letzte Gedanke bevor ich startete. Im Ziel blieb ich einen Moment lang stehen und starrte auf die Zeittafel. Schon wieder eine Drei stand da und weil ich die Nummer 12 hatte, war ich sehr zufrieden mit meiner Leistung und erhoffte mir eine Top-5-Klassierung. Schon wieder fuhr einfach niemand mehr schneller und ich realisierte den zweiten Europacup-Podestplatz innert zwei Tagen. Schlichtweg unendlich dankbar nach einigen harten und schwierigen Jahren ging es ab nach Hause.

Weihnachten und die Altjahreswoche waren wie jedes Jahr unglaublich schön. Ich versuchte mich als Köchin beim Weihnachtsdinner, genoss die optimalen Bedingungen bei Skitouren mit Freunden und Familie und nutzte die Zeit nochmals, um im Krafttraining Gas zu geben und Slalom zu trainieren. Ein genialer Abschluss für dieses Jahr.

Nun wünsche ich Euch allen ein gesundes und spannendes 2019. Bis bald.

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