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Endlich können Taten folgen

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Südostschweiz

Spitzensport – für die meisten Athletinnen und Athleten bedeutet dies harte Arbeit, Entbehrungen und eine grosse Portion Leidenschaft. Im Format «Sportlerblog» schreiben Bündner Sporttalente über ihren Alltag.

von Luana Flütsch

Die 23-Jährige aus St. Antönien ist Skirennfahrerin im B-Kader von Swiss Ski. Vergangene Saison debütierte sie im Weltcup. Dies, nachdem sie sich von einer komplizierten Schienbeinverletzung zurückgekämpft hatte. 2018/19 will Flütsch an die starke Vorsaison anknüpfen.

Sitzend, zwischen Skischuhen und Kleidern, versuche ich gerade meine Tasche auf 23 kg zu reduzieren. Es geht ab nach Norwegen für die ersten Europacuprennen.

Ich denke zurück an den Saisonauftakt, mit zwei FIS-Riesenslaloms in Arosa. Zuvor hatte ich gut trainiert und Vertrauen und Sicherheit stetig aufgebaut. Ich war noch nicht in Topform, jedoch bleiben Rennen und Training immer zwei verschiedene Paar Schuhe. Kurz davor hatten wir sieben Tage in Livigno für den letzten Feinschliff verbracht. Endlich in Arosa konnte ich den Saisonstart wirklich kaum mehr erwarten. Denn durch einige Verschiebungen und Absagen mussten wir uns verhältnismässig lange gedulden.

«Zudem verspürte ich am Renntag eine gewisse Nervosität und das, obwohl ich sonst wirklich nie nervös bin.»  

Am Tag vor dem Wettkampf durften wir auf dem Rennhang trainieren, um ein Gefühl für den Schnee und die Piste zu bekommen. Das Training lief gut und ich fühlte mich bereit, um loszulegen. Wie ich Euch bereits erzählt habe, bin ich ein totaler Denker. Mir gehen tausend Gedanken durch den Kopf, von extrem positiven bis hin zu teils auch eher negativen. Zudem verspürte ich am Renntag eine gewisse Nervosität und das, obwohl ich sonst wirklich nie nervös bin. Wieso das so war, kann ich nicht sagen, wahrscheinlich aber, weil es das erste Rennen war.

Ich versuchte, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und den Tag auch einfach zu geniessen. Kurz vor dem Start dachte ich nur: «Fahr einfach». Das bedeutet, dass ich nur mit meinem Instinkt fahren soll; ich also ohne Einfluss meiner Gedanken auf das Bauchgefühl hören soll. Das tat ich schlussendlich und konnte so mit dem zweiten Rang auf einen total gelungenen Saisonauftakt zurückschauen. Meine Eltern nahmen sich den Tag extra frei und fieberten tatkräftig mit, umso schöner dann die Belohnung. Auch der zweite Tag verlief positiv. Trotz einigen Fahrfehlern und etwas zu viel Zeitverlust erreichte ich den vierten Schlussrang. Es waren zwei tolle Tage in Arosa.

Emotionalität als Fluch und Segen

Durch meine doch sehr emotionale Art habe ich das Glück, mich über Dinge noch viel intensiver zu freuen, als dies vielleicht andere Menschen können. Bei negativen Ereignissen schlägt es natürlich ins Gegenteil um. Diese Charaktereigenschaft zehrt manchmal an den Energiereserven. Jedoch sind die schönen Momente so noch viel, viel schöner!

Nun stehen die ersten Speed-Europacuprennen im Norden an und dann geht es Schlag auf Schlag weiter bis Weihnachten. Das straffe Programm bringt gleichzeitig viele Absenzen in der Schule mit sich. Es wird nicht einfach sein, alles aufzuarbeiten, doch irgendwie geht am Ende doch immer alles.