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Der schwere Weg zurück

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Südostschweiz

Spitzensport – für die meisten Athletinnen und Athleten bedeutet dies harte Arbeit, Entbehrungen und eine grosse Portion Leidenschaft. Im Format «Sportlerblog» schreiben junge Bündner Sporttalente über ihren Weg an die Spitze.

von Jason Rüesch

Der 24-jährige Davoser Langläufer ist A-Kader-Mitglied bei Swiss Ski und damit regelmässiger Weltcup-Starter. Im schwedischen Ulricehamn lief er im Januar 2017 über 15 km Skating in die Top 15. Diesen Winter will sich Rüesch für die WM in Seefeld qualifizieren.

Mit der Selektion für die Olympischen Spiele in Pyeongchang schien für mich ein Kindheitstraum in Erfüllung zu gehen. Doch dieser Traum entwickelte sich zum Albtraum. Diverse körperliche Beschwerden zwangen mich, zu Südkorea Nein zu sagen und den Rückschlag mental zu verarbeiten.

Doch von Anfang an: Im Sommer 2017 lief das Training wie am Schnürchen, ich war motiviert und hatte viele neue persönliche Bestleistungen bei Feldtests aufgestellt. Mein Ziel war klar: Teilnahme an den Olympischen Spielen in Südkorea.

Im Sommer 2017 lief das Training wie am Schnürchen. BILDER ZVG

Im Spätherbst kam der erste Dämpfer. Ich erlitt einen Leistungseinbruch und meine Regenerationsphase zwischen den Trainings dauerte viel zu lange. Nach diversen medizinischen Tests wurde ein Infekt entdeckt, der vielleicht die Reaktion meines Körpers auf Übertrainings gewesen ist. Nun hiess es, gut zu regenerieren und auf mein Körpergefühl zu achten.

Nach mehreren Wochen Regeneration fühlte ich mich endlich besser, doch es dauerte nur noch eine Woche bis zum letzten Selektionsrennen für Südkorea. Es stellte sich die Frage: Soll ich die Chance nutzen oder ist mein Körper noch nicht bereit für diesen Effort?

Wenn sich ein Erfolg als Misserfolg herausstellt

Nach Absprache mit Ärzten und Trainern haben wir uns entschieden, dass ich am Weltcuprennen in Planica teilnehme und versuche, die Qualifikation für die Olympischen Winterspiele zu holen. Trotz der wenigen intensiven Trainingsstunden und weit entfernt von meiner Bestform lief ich in die Punkteränge. Es folgte die Selektion für die Spiele durch Swiss Olympic.

Nur: Der Start am Weltcup sollte sich als Fehler erweisen. Denn der Einsatz war für mich zu früh gekommen und mein Körper reagierte mit Kraftverlust und Müdigkeit. Nach einer weiteren Regenerationsphase, in der ich auch mit Schlafstörungen zu kämpfen hatte, hoffte ich vergeblich auf Besserung. Schweren Herzens musste ich mich gegen die Teilnahme an den Olympischen Spielen und für meine Gesundheit entscheiden. Ich wollte den weiteren Verlauf meiner Karriere nicht riskieren.

Wie das Training eigentlich ablaufen sollte

Nach einer mehrmonatigen Pause mit leichten körperlichen Aktivitäten konnte ich mich im Frühsommer 2018 langsam an den gewohnten Trainingsalltag herantasten. Welch schönes Gefühl Mitte Mai, als ich endlich wieder eine Trainingseinheit pro Tag absolvieren konnte. Nach diesem kleinen Erfolgserlebnis wollte ich wieder mit dem Team trainieren, doch eine Bronchitis verhinderte dies kurzfristig. Das erste Training mit dem Team erfolgte endlich Mitte Juni. Ich fühlte mich frisch und erholt. Logisch ist, dass ich weit von meiner Bestform entfernt war, aber ich war zuversichtlich, weil ich aus den überwundenen körperlichen Schwierigkeiten viel für ein gutes Körpergefühl gelernt habe.

Doch es war wie verhext, ein Virus im Auge zwang mich nach nur einer Woche wieder zum Trainingsunterbruch. Ich musste mich im Spital behandeln lassen.

... und nun der Rücken

Ende September fanden die halbjährlichen Leistungstests in Magglingen statt und die Werte sahen vielversprechend aus. Nach diesen Tests reisten wir mit dem Team nach Sardinien. Doch plötzlich war das gleiche unangenehme Körpergefühl wie im Vorjahr wieder da. Immerhin habe ich gelernt, Respekt vor dem Körper zu haben und ich habe diverse Ruhetage ins Training eingebaut.

Mein Körpergefühl gab mir recht, unser medizinisches Team diagnostizierte einen beschädigten Nerv im Rücken. Momentan bin ich wieder zum Pausieren gezwungen und mein Alltag besteht aus vielen Physioübungen, um den Rücken – die x-te gesundheitliche Hürde innert einem Jahr – in den Griff zu bekommen.

Nach all diesen Rückschlägen bin ich demütig zuversichtlich, dass ich mein Potenzial früher oder später ausschöpfen kann, weil ich bezüglich meinem Körper enorm viel gelernt habe. Ich freue mich auf die kommende Saison und mein grosses Ziel für den Winter heisst Teilnahme an den Weltmeisterschaften Ende Februar in Seefeld.

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