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Ein Triathlon, ein geplatzter Traum und eine Wiedervereinigung

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Im Sommer lief Fabio Lechner erstmals einen Triathlon. PRESSEBILD
Südostschweiz

Spitzensport – für die meisten Athletinnen und Athleten bedeutet dies harte Arbeit, Entbehrungen und eine grosse Portion Leidenschaft. Im Format «Sportlerblog» schreiben junge Bündner Sporttalente über ihren Weg an die Spitze.

von Fabio Lechner

Der 24-jährige Churer ist gelernter Kaufmann mit BMS. Als Langläufer will er diesen Winter den Anschluss an die nationale Spitze schaffen.

Es waren ganze drei Jahre die, Linard, Jason und ich zusammenlebten und unsere Leidenschaft, das Langlaufen, teilten. Es ging nicht darum, Kosten zu sparen. Nein, wir sind gute Freunde. Wir haben gemeinsam für unsere Ziele gekämpft und sind füreinander eingestanden. Einer der schönsten Momente auf unserer gemeinsamen Reise war die U23-WM in Rumänien, an der wir gemeinsam über 15 km Skating am Start standen. Nebst den sportlichen Erfolgen haben wir auch das eine oder andere Projekt gestartet. So haben wir beispielsweise den 100-Meter-Rollski-Showsprint ins Leben gerufen und gemeinsam einen Kalender herausgegeben, der unsere Sportart auf eine attraktive Art und Weise repräsentiert.

Mehr zu den drei Jungs der Davoser «WG Promenade 93» erfahrt Ihr auf Instagram.

Aber bekanntlich hat alles früher oder später ein Ende, so auch unsere Zeit als WG. Unsere Wege trennten sich. Linard und ich haben von verschiedenen Universitäten in Amerika ein Stipendium angeboten erhalten. Jason bleibt dem Langlaufsport in der Schweiz treu und bleibt daher in Davos. Dieses Kapitel abzuschliessen, ein Kapitel, das uns doch sehr stark geprägt hat, war nicht einfach und es war definitiv etwas Wehmut dabei. Dennoch wussten wir alle, dass jeder ein neues, schönes Kapitel schreiben wird.

Jason, Fabio und Linard (von links) verbringen auch die Sommerferien gemeinsam. BILD FABIO LECHNER

Schon Ende April planten Linard und ich unseren Aufenthalt in Amerika. Für mich sollte es nach Alaska gehen. Dort findet man ideale Bedingungen zum Langlaufen vor, jedoch war ich etwas skeptisch wegen den langen und kalten Nächten im hohen Norden. Die Bürokratie für einen solchen Aufenthalt in Amerika schien unendlich. Es war ein Marathon, der viele Nerven und auch finanzielle Mittel forderte.

Langläufer werden im Sommer gemacht

Nichtsdestotrotz war genügend Zeit für das Sommertraining, das bereits anfangs Mai startete. Schon immer wollte ich an einem Triathlon teilnehmen und dieses Jahr sollte endlich der Zeitpunkt kommen. In Zürich startete ich einen Versuch über die olympische Distanz. Unter anderem habe ich mir Tipps und Tricks über diverse Youtube-Tutorials eingeholt, welche mir eine grosse Hilfe waren. Die grösste Angst hatte ich vor dem Ertrinken in der Menschenmasse. Ertrunken bin ich glücklicherweise nicht und auf der anschliessenden Rad- und Laufstrecke verlief auch alles nach Plan. Das Rennen habe ich nicht gewonnen, trotzdem fühlte es sich ein bisschen so an. Ich gewann viele neue Erfahrungen und Eindrücke einer «fremden» Sportart. Es war ein Erlebnis, das ich nicht mehr so schnell vergessen werde und ziemlich sicher wird es nicht mein letzter Triathlon gewesen sein.

Die Tortur

Derweil zog sich der Bürokratie-Marathon für Amerika immer weiter in die Länge. Es entwickelte sich mehr und mehr zu einer Tortur. Es wurden immer mehr Dokumente und Formulare benötigt. Sogar sämtliche Sekundarzeugnisse wollten die Amerikaner übersetzt und beglaubigt haben. Abschlusszeugnisse von EFZ und BMS reichten nicht. Nein, sie wollten auch alle Zwischenzeugnisse meiner Lehre. Auch musste ich zwei Englischprüfungen absolvieren. Und schliesslich war die Kommunikation mit Amerika aufgrund der Zeitverschiebung nicht einfach.

Das war aber nicht die einzige Tortur in diesem Sommer. In einem Team von drei Fahrern und fünf Betreuern nahmen wir an der «Tortour» teil. Ziel bei diesem Ultracycling-Rennen war es, möglichst schnell die 550 Kilometer lange Radstrecke durch einen grossen Teil der Schweiz zu absolvieren. Dabei gab es verschiedene Etappen, die wir als Team oder einzeln absolvieren mussten. Das Wetter war sehr gut und auch unsere Teamleistung war toll. So konnten wir den Prolog gewinnen und am Tag des Hauptrennens sogar um den Sieg mitfahren. Leider haben wir aufgrund eines Sturzes auf den letzten fünf Kilometer die Chancen auf den Sieg begraben müssen. Glückerweise ging der Sturz glimpflich aus. Die Stimmung war am Ende dadurch etwas getrübt. Dennoch haben wir versucht, das Positive mitzunehmen. Denn eigentlich erlebten wir an diesem Tag ganz viel schöne Momente.

Die «Tortour» verlangt dem Langläufer alles ab. PRESSEBILD

Die Enttäuschung und der neue Fokus

Spätsommer: Alle Prüfungen für das Abenteuer in Amerika waren absolviert und bestanden, alle Dokumente und Formulare waren auch ausgefüllt. Es blieb das lange Warten bis zum Entscheid, ob ich für die Universitäts-Wettkämpfe zugelassen werde oder nicht. Die Zeit drängte und es lag auch Mitte August noch immer kein Entscheid auf dem Tisch. Geplant war, dass ich Ende August nach Amerika reisen werde. Die grosse Ungewissheit war nicht einfach, schliesslich sollte ich ja das Visa beantragen und einen Flug buchen. Ende August kam der definitive Entscheid und der war eine Enttäuschung, weil ich nicht zugelassen wurde.

Anscheinend hätte ich zwei Vollzeitsemester studieren müssen, aber ich habe nun mal nur sechs Teilzeitsemester studiert. Nachzuvollziehen ist der Entscheid kaum, aber das sind Regeln, die nicht ich aufgestellt habe. Klar habe ich mir den Herbst und die Saison anders vorgestellt, aber an diesem negativen Entscheid konnte ich nicht rütteln oder etwas ändern. Deshalb versuchte ich so schnell wie möglich einen anderen Weg zu finden. Ich werde nun die Saison hier in der Schweiz laufen und hier mein Studium als Betriebsökonom fortsetzen.

Nun warten diverse Testwettkämpfe und Leistungstests auf mich. Ich bin gespannt, wie sich mein Sommertraining ausgewirkt hat. Anfangs Oktober werde ich dann wieder mit Jason zusammenziehen. Das wird bestimmt auch wieder eine gute Zeit.

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