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Das turbulente Ende meiner Saison

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Lorenz' Abstecher in die USA endete abrupt. Weshalb, erfahrt Ihr in diesem Blog. PRESSEBILD/SO
Südostschweiz

Spitzensport – für die meisten Athletinnen und Athleten bedeutet dies harte Arbeit, Entbehrungen und eine grosse Portion Leidenschaft. Im Format «Sportlerblog» schreiben junge Bündner Sporttalente über ihren Weg an die Spitze.

von Mauro Lorenz

«suedostschweiz.ch» begleitete Mauro Lorenz auf seinem Weg als junger Eishockeyspieler in Schweden. In regelmässiger Folge berichtete der 20-jährige Bündner in der Saison 2017/18 über die Ereignisse seiner Saison.

Helsingborg (SWE). Es ist Ende Februar und wir haben nur noch ein paar Spiele zu spielen. Ich schaue zurück auf eine für mich gelungene Saison, auch wenn der gewünschte Erfolg mit der Mannschaft ausblieb. Ich habe vieles gelernt und bin dankbar für die Erfahrung, aber freue mich auch auf mein wunderschönes Zuhause.

Ich bin gerade am Kochen, als plötzlich mein Telefon klingelt. Auf der anderen Seite spricht ein Sportchef eines National-League-Teams. Sie wollen mich gerne eine Woche in ein Probetraining einladen. «Mich? Ernsthaft?», geht es mir durch den Kopf. Schnell sage ich zu, doch da kommt auch schon der Haken an der ganzen Sache. Das Try-Out wäre nächste Woche, also muss ich in den nächsten Tagen meinem aktuellen Klub, meinem Chef und dem Team beibringen, dass ich Schweden in den nächsten Tagen verlasse.

Geplant, getan: Zum Glück sind die Menschen in Schweden in Bezug auf solche Dinge viel entspannter als die Schweizer und ich bekam nur Unterstützung zugesprochen und es war überhaupt kein Problem.

So sitze ich zwei Tage später in meinem vollgepackten Wagen, drehe die Musik auf und mache mich auf den Weg zurück in die Schweiz. 15 Stunden Fahrt, zwei volle (rsp. leere) Benzintanks und eine Übernachtung irgendwo in Deutschland später, komme ich ziemlich zerstört Zuhause an. Endlich angekommen geniesse ich die Zeit mit Familie und Freunden und verkünde allen lauthals, dass ich nun wohl für längere Zeit in der Schweiz bin.

Der erneute Lockruf

Am Abend bevor ich zu meinem Probetraining fahren will, erreicht mich plötzlich eine E-Mail. Ein Juniorenteam aus den USA namens Idaho Icecats will sich für die Playoffs noch verstärken. Bis heute habe ich keine Ahnung, wie die mich gefunden haben. Einerseits möchte ich gerne einfach zu Hause bleiben, da ich erst gerade angefangen habe, mich wieder einzurichten. Andererseits sind es die USA und ich bekomme die Chance, da zwei Monate gratis zu leben – was für eine Erfahrung. «Was sind schon zwei Monate? Ich war gerade neun in Schweden». Mit diesem Gedanken beschliesse ich, erneut meine Koffer zu packen.

Genau eine Woche später nach einem aus meiner Sicht gelungen Probetraining stehe ich wieder am Zürcher Flughafen und verabschiede mich von meinen Lieben. Wieder kenne ich niemanden ausser dem Trainer, habe keine Ahnung von der Stadt oder dem Team und wieder ist es mir egal, denn es wird schon gut kommen.

Das abrupte Ende

Von Anfang an fühle ich mich in den USA wohl. Die Leute sind extrem nett und hilfsbereit, nur mit der Ernährung habe ich etwas Mühe. Burger und Fast Food ist gut für ein paar Tage. Aber spätestens nach zwei Wochen habe ich die Schnauze voll. Auch eishockeytechnisch ist es eine riesen Umstellung: vom technischen Spielstils Schwedens zum physisch geprägten Eishockey in den Vereinigten Staaten. Hinzu kommen das kleinere Eisfeld und eine doch ziemlich andere Coaching-Mentalität. Zusätzlich sind Busfahrten zwischen acht und zwölf Stunden völlig normal. Die längste Busfahrt im Schweizer Eishockey ist von Genf nach Davos und dauert etwa sechs Stunden.

Neuer (Hockey-)Kultur zum Trotz: Bei den Idaho Icecats fühlte sich Lorenz gut aufgehoben. PRESSEBILD

Nach einem guten Monat in den Staaten passiert es dann. In einem Training fahren mein Teamkollege und ich zur Bande und kämpfen um den Puck. Er stürzt, ich falle über ihn und pralle kopfvoran in die Bande.

Persönlich kann ich mich an das Ganze nicht erinnern, aber später erhalte ich die offensichtliche Diagnose Hirnerschütterung. Saisonende. Die nächsten Tage verbringe ich hauptsächlich in einem dunklen Zimmer und schlafe, da die kleinste Anstrengung zu Kopfschmerzen führt.

Gut eine Woche später steige ich ins nächste Flugzeug und reise nach Hause Richtung Schweiz. Diesmal jedoch definitiv, oder wenigstens über die Sommerzeit – glaube ich.

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