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WC-Papier

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Christian
Ruch

In «Ruchs Rubrik» beleuchtet Christian Ruch Bedenkliches, Merkwürdiges und Lustiges aus der Region Südostschweiz. Das alles einmal wöchentlich und mit viel Esprit und Humor. Ob Politik, Kultur, Wirtschaft oder Sport – in Ruchs Rubrik hat all das Platz, was sich mit einem Augenzwinkern betrachten lässt.

Wie ernst die Zeiten sind, erkennt man daran, dass es mir bei einem Grossverteiler nicht gelungen ist, einen 12er-Pack WC-Papier zu kaufen. Verzweifelt sah ich mich um. Das einzige was es noch gab, war ein 30er-Pack WC-Papier, mit dem ich das ganze Haus beglücken könnte. Na super, dachte ich, wenn man mich jetzt mit diesem Monstrum sieht, gehöre ich sofort zur Kategorie Hamsterkäufer. Dabei habe ich noch nie einen Hamster gekauft. Doch die Mitarbeiterin an der Kasse sah das ganz entspannt. «Wenn Sie nur einen Grosspack kaufen, ist das ja noch harmlos», meinte sie. «Sie hätten mal sehen sollen, welche Mengen hier in den letzten Tagen weggeschleppt wurden.»

Historiker werden später einmal rätseln, warum es in der Corona-Krise zu solch einer Verehrung für WC-Papier kam. Meine Theorie als Soziologe: Ersatzreligion! Denn es ist doch hochinteressant, dass parallel zum Verbot von religiösen Veranstaltungen die Verehrung von WC-Papier nie dagewesene Dimensionen erreicht. Das ist auch nachvollziehbar, denn gerade die Zeit auf dem Klo eignet sich für meditative Momente, zumal man dort jetzt angesichts von Bewegungsmangel und Verstopfung länger sitzen dürfte. Und wenn man dann da so hockt und an der Rolle zieht, dann symbolisiert das Abreissen der Blätter einem Kalender nicht unähnlich das Vergehen der Tage. Nicht unwichtig in einer Zeit, die sich mit Selbstquarantäne und Home Office quälend in die Länge zieht. Umso wichtiger ist es, dass wenigstens das Abnehmen der WC-Papier-Rolle noch darauf hinweist, dass die Zeit vergeht. Der Hinweis von so oberschlauen Moralaposteln, man solle das Horten von WC-Papier sein lassen, denn es habe doch nun wirklich für alle genug, geht deshalb ins Leere. Die Menschen, die wie wahnsinnig WC-Papier posten, machen keine Panikkäufe, sondern suchen Trost in einer Welt des Stillstands, in der nur noch die Rolle des WC-Papiers sich dreht. 

Haben Sie also kein schlechtes Gewissen, wenn Sie nächstes Mal den Kofferraum mit WC-Papier füllen, Sie nehmen lediglich Ihr Recht auf Religionsfreiheit in Anspruch. Und mir ist das allemal lieber, als wenn Sie mir Schoggi, Haribo und Cola wegschnappen. Da hört dann der Spass ganz schnell auf, im Fall!

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Wir sind seit vielen Jahren Abonnenten Ihrer Zeitschrift. Wenn es nach mir alleine ginge, hätte ich Ihre ständig die Religionen beleidigende "Scheisshauszeitung" schon lange abbestellt. Was sie wieder einmal als "Geistesblitz" produziert haben ist recht primitiv. Noch primitiver als meine Betitelung Ihrer Zeitung. Wenn das alles ist was sie zu bieten haben, sollten sie vielleicht doch besser einen Job als ............... annehmen.

In Sachen WC Papier hätte ich kein Problem.Wir mussten als Kleinkind nach dem Krieg immer am Samstag WC Papier aus Zeitungen schneiden. Was heutzutage nicht unbedingt förderlich ist für die Kanalisation .Man hatte dazumal auch keine Kanalisation .Wir hatten einen Güllenkasten ,der wurde 3-4mal geleert im Jahr vom Bauer.Für mich habe ich für längere Zeit WC Papier und muss die Übung mit den Zeitungen nicht machen.