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Faulheit

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Christian
Ruch

In «Ruchs Rubrik» beleuchtet Christian Ruch Bedenkliches, Merkwürdiges und Lustiges aus der Region Südostschweiz. Das alles einmal wöchentlich und mit viel Esprit und Humor. Ob Politik, Kultur, Wirtschaft oder Sport – in Ruchs Rubrik hat all das Platz, was sich mit einem Augenzwinkern betrachten lässt.

Wenn es um WHO-Warnungen geht, sollte man immer ganz besonders aufmerksam sein: Den Hinweis etwa, dass der tägliche Konsum von mehr als zwölf Hamburgern, sechs Päckli filterlosen Zigis und einer Flasche Bourbon die Lebenserwartung signifikant senken kann, fand ich sehr wichtig. Auch die jüngste Meldung lässt aufhorchen: Teenager bewegen sich zu wenig. So seien in Deutschland 79,7 Prozent der Jungen und sogar 87,9 Prozent der Mädchen körperlich nicht aktiv genug.

Ich finde, das ist eine gute Nachricht. Als vom Schulsport bis heute stark Traumatisierter begrüsse ich die Entwicklung hin zu einer komplett bewegungslosen Jugend. Denn davon haben alle was! Beispiel: Wenn einmal ein ICE zu uns nach Chur fährt, was selten vorkommt, weil in Mittelhessen gerne mal Rehe die Fahrleitung anknabbern, was dann in Hamburg-Harburg zu einer Weichenstörung und deutschlandweit zu einer geänderten Wagenreihung und Ausfall des Bordrestaurants führt, wenn also überhaupt ein ICE fährt und nicht Ersatzzugrollmaterial aus dem letzten Jahrtausend, dann ist dieser ICE garantiert graffitibeschmiert. Und warum? Weil sich deutsche Saugoofen nächtens auf die Socken machen und jungfräuliches ICE-Weiss mit Spraydosen schänden. Faule Jugendliche dagegen bleiben brav daheim und gucken auf RTL II, wie ostdeutsche Arbeitslose ihre Halbschwestern schwängern. Das ist medien-, sport- und sexualpädagogisch zwar eher suboptimal, führt aber zu keinerlei Vandalismus. Und was die WHO ebenfalls verschweigt: Auch die Erwachsenenfaulheit ist nicht so schlecht, wie man meint. So hat eine Studie der Universität Albuquerque (Älbukörki ausgesprochen) ergeben, dass bei Menschen, die das Haus oder noch besser das Sofa nicht mehr verlassen, die Zahl der Skiunfälle interessanterweise statistisch kaum noch ins Gewicht fällt. Wer daheim bleibt, fährt keinen SUV, verreist nicht mit dem Flugzeug, und das Methan allfälliger Flatulenz bleibt auch in den vier Wänden – kurzum: Der ökologische Fussabdruck ist bei Bewegungsunlust nahezu perfekt!

Also, machen Sie es wie unsere Jugendlichen: Bleiben Sie zu Hause. Besonders in Chur können Sie das problemlos. Denn bei uns gibt es rund 30 Pizza-Kuriere. Was braucht man mehr?

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