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Streichelzoo

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CHRISTIAN RUCH
Christian
Ruch

In «Ruchs Rubrik» beleuchtet Christian Ruch Bedenkliches, Merkwürdiges und Lustiges aus der Region Südostschweiz. Das alles einmal wöchentlich und mit viel Esprit und Humor. Ob Politik, Kultur, Wirtschaft oder Sport – in Ruchs Rubrik hat all das Platz, was sich mit einem Augenzwinkern betrachten lässt.

Am Mittwoch weilte die britische Botschafterin in Graubünden. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich Mrs. Owen gern persönlich dafür gedankt, dass meine Lieblingsserie «No Exit from Brexit» weitergeht. In der neuen Staffel sogar mit Neuwahlen. Cool! Wissen Sie, ich bin mittlerweile auch privat begeisterter Brexitarier. Nachts zum Beispiel überlege ich mir zigmal, ob ich austreten soll. Natürlich müssen die Briten erst noch beweisen, was in ihnen steckt. Weil drei Jahre Brexit-Zirkus sind ja gar nichts. Wir Deutschen basteln nun schon 13 Jahre an einem Gebäude herum, von dem in alten Chroniken berichtet wird, dass es mal ein Flughafen werden sollte. Ob das stimmt, ist unter Historikern umstritten. Und selbst das ist nichts gegen die Schweiz. Ich sage nur: Frauenstimmrecht! 1918 gefordert, 1971 verwirklicht. Wow!

Aber was anderes: Hoffentlich hat die Bündner Regierung die Gelegenheit genutzt und Mrs. Owen gebeten, uns bei einem kniffligen Sprachproblem zu helfen. Es geht um das bei Briten beliebte Klosters, genauer gesagt das Madrisa-Land, ein Freizeitparadies für Gross und Klein. Für Klein gibt es dort ein Geissengehege, das ziemlich zutreffend mit «Streichelzoo» angeschrieben ist. Irritierend ist dagegen die englische Beschriftung: «Petting Zoo». Pets sind in der Tat Streicheltiere, Petting aber gemäss Definition «Formen körperlichen Kontakts ausserhalb des Koitus, die sexuelle Erregung hervorrufen». Nichts gegen das Madrisa-Land, aber das Potenzial an sexueller Erregung ist doch sehr überschaubar. Wie die Geissen relativ gelassen kauend ihre Bärtli hin und her schieben, finden nicht einmal Prättigauer sexuell erregend. Ab und zu kommen Goofen, um die Geissen streichelzookonform anzufassen, während die Goofenerzeuger erschöpft auf den Holzliegen herumhängen. Und sich höchstens insgeheim fragen, wie genau das mit dem Petting nochmal ging.

Dear Mrs. Owen, bitte teilen Sie uns mit, wie man «Streichelzoo» korrekt übersetzt. Nicht dass Ihre Landsleute «not amused» sind, wenn Sie ins Madrisa-Land kommen und statt heissem Petting nur Geissen sehen. Bloss gut, dass Briten es mit Fassung tragen, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden. Das kennen sie ja vom Brexit.

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