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Buchmesse

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Christian
Ruch

In «Ruchs Rubrik» beleuchtet Christian Ruch Bedenkliches, Merkwürdiges und Lustiges aus der Region Südostschweiz. Das alles einmal wöchentlich und mit viel Esprit und Humor. Ob Politik, Kultur, Wirtschaft oder Sport – in Ruchs Rubrik hat all das Platz, was sich mit einem Augenzwinkern betrachten lässt.

Mein letztwöchiger Ärger über die Nobelpreise ist noch längst nicht verraucht – im Gegenteil. Der Skandal ging mit den Literaturnobelpreisen ja munter weiter. Die bekamen irgend so ein Ösi namens Peter Handkäs oder so ähnlich und eine mir völlig unbekannte Olga aus Polen. Wahrscheinlich eine in Deutschland beschäftigte Pflegefachkraft, die Senioren besonders schön vorliest. Jedenfalls ist Graubünden schon wieder leer ausgegangen. Jahr für Jahr sitzen die Damen Overath und Ganzoni sowie die Herren Camenisch und Hassler im Oktober nervös neben dem Telefon und warten mit Recht darauf, dass es klingelt. Tut es vielleicht sogar, nur ruft nie jemand aus Stockholm an. Sie, das zermürbt doch langfristig so zarte Schriftstellerseelen! Ich habe deshalb beschlossen, der Preisverleihung dieses Jahr fernzubleiben.

Dafür war ich an der Frankfurter Buchmesse. Ein Termin, dem meine Lieblingsbündnerin mit ebenso grossem Bangen entgegensah wie meinen Olma-Besuchen, die nicht selten in der Anschaffung relativ sinnfreier Haushaltsutensilien enden. Was Bücher betrifft, haben wir ein ganzes Regal ungelesene. Die Aufforderung der Lieblingsbündnerin, doch bitte erstmal diese Schmöker zu berücksichtigen, ehe neue angeschafft werden, ignoriere ich geflissentlich. Denn leider komme ich gar nicht mehr zum Lesen, weil die gemütliche Bettlektüre längst den iPad-Filmli gewichen ist. So etwa, es sei zu meiner Schande gesagt, uralten «Traumschiff»-Folgen (nur echt mit Beatrice!). Und das bis zum Einschlafen, wobei der Schlummer oft nur von kurzer Dauer ist, weil die Hand erschlafft und mir das iPad sehr schmerzhaft aufs Hirn knallt. Strafe muss sein! Bücher wären jedenfalls weitaus weniger unangenehm, so dass ich reuevoll zur Bettlektüre zurückkehren sollte.

Gekauft habe ich in Frankfurt trotzdem nichts. Denn bei allen Büchern, die zur Mitnahme drängten, fragte ich mich, ob sie nicht vielleicht schon im Regal der ungelesenen stehen. Man wird halt älter und vergesslich. Die Lieblingsbündnerin weiss es mir jedenfalls zu danken. Der «Tod in Genua» von unserer literarischen Lieblingsbündnerin Frau Ganzoni darf trotzdem ins Regal. Lieblingsbündnerinnen müssen schliesslich zusammenhalten!

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