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Last Call

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Christian
Ruch

In «Ruchs Rubrik» beleuchtet Christian Ruch Bedenkliches, Merkwürdiges und Lustiges aus der Region Südostschweiz. Das alles einmal wöchentlich und mit viel Esprit und Humor. Ob Politik, Kultur, Wirtschaft oder Sport – in Ruchs Rubrik hat all das Platz, was sich mit einem Augenzwinkern betrachten lässt.

Jetzt in den Herbstferien sitzen wieder viele von Ihnen im Flugzeug. Da kann ich Ihnen als ferrosexueller Mensch nur zurufen: «Möge Greta Ihnen die Flugschamröte ins Gesicht treiben!» Sie könnten doch nun wirklich den Zug nehmen. Wie jetzt, das geht nicht?! Man muss nur wollen. Beispiel Malaga: Von Zürich sind das supertolle 26 Stunden Bahnfahrt, Zwischenstopps in Paris, Barcelona und Madrid inklusive. Gut, in Paris haben Sie nur zwei Stunden Aufenthalt, das wird für den Eiffelturm, den Louvre, Montmartre und Schloss Versailles vielleicht etwas knapp, ein gediegenes Znacht sollte aber drinliegen. Halt mit nur fünf statt zehn Gängen.

Wissen Sie, für mich als Zugliebhaber gibt es beim Fliegen einfach Dinge, die ich nicht verstehe. Zum Beispiel den Last Call, den letzten Aufruf von Passagieren, die noch nicht am Gate sind. Ich frage mich immer: Warum sind die Leute nicht da? Ist denen plötzlich eingefallen, dass sie vergessen haben, den falsch eingetragenen Termin auf der Waschküchenbenutzungsliste auszugümmelen, und sind darum kurz nochmal heim? Wobei ja meistens nicht ordentliche Schweizer vermisst werden, weil die sicherheitshalber schon morgens um vier von ihrem Wohnort Effretikon aufbrechen, wenn abends um sechs der Flug geht, sondern Ausländer mit merkwürdigen Namen wie «Herr Tsazikimetaxagyrosakropolis, abfliegend nach Athen, wird dringend gebeten…» und so.

In Singapur werden diese Aufrufe jetzt abgeschafft, und ich finde, die Schweiz sollte da nachziehen. Wir sind ein pünktliches Land, und wer das missachtet, hat halt Pech gehabt. Wenn ich im Zug sitze, heisst es ja auch nicht «Herr Hunziker und Enkel Luca Leonidas, abfahrend zum Verkehrshaus Luzern, werden dringend gebeten…» So weit käme es noch! Zugfahren ist was für Leute mit Eigenverantwortung. Da muss man auch nicht zwei Stunden vorher da sein. Ja, wir Ferrosexuellen sind das trotzdem, aber das aus anderen Gründen.

Also, das nächste Mal nehmen Sie bitte den Zug. Beim SBB-Online-Fahrplan müssen Sie aber gut aufpassen: Mallorca zum Beispiel kennt er nicht. Nur Malleray-Bévilard. Das ist im Berner Jura. Zugegeben etwas öde, aber dafür ziemlich garantiert ohne besoffene Deutsche. Was will man mehr?

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Herr Ruch, Zugegeben, etwas öde, aber dafür ziemlich garantiert ohne besoffene Deutsche. Was will man mehr? Wenn Sie mich so fragen, Nebst den dichtegestressten Züzzis, den untragbaren Durchsgangverkehr unterbinden. Einst unsere idyllischen ruhigen Mäiensässe und Wohnungen, werden mit untragbaren Lärm überflutet. Die WC, mit samt den wunder schön eingerichteten, Austellplätze mit Müll zugemüllt. Geschweige den den Blockaden unserer Strassen, inklusive dem Mehraufwand der Schneeräumungen. Lieber weniger, dafür mehr Qualität und Nachhaltigkeit, Siehe das einstige Ballermann_ Paradise

...super Idee, leider müssen dann alle Passagiere auf dem Rollfeld warten, bis eventuelles Gepäck von verspäteten Passagieren, sondiert und ausgeladen ist, hab' ich alles schon erlebt. So liegt es im Interesse der Airlines, dass alle an Bord sind. Schlechthin ist eben nicht frühes, sondern spätes Boarding der echte Luxus,
natürlich nach der Bahnfahrt, da bin ich bei Ihnen. Freundlichst Nicole Scheer, Klosters