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wandern Palpuognasee Herbst Wetter
Wanderer vergnuegen sich rund um den Palpuognasee, oberhalb von Preda. Fotografiert am 18. Oktober 2014 BIld Yanik Buerkli
YANIK BUERKLI
Christian
Ruch

In «Ruchs Rubrik» beleuchtet Christian Ruch Bedenkliches, Merkwürdiges und Lustiges aus der Region Südostschweiz. Das alles einmal wöchentlich und mit viel Esprit und Humor. Ob Politik, Kultur, Wirtschaft oder Sport – in Ruchs Rubrik hat all das Platz, was sich mit einem Augenzwinkern betrachten lässt.

Noch nie haben so viele Schweizer Gäste in Graubünden übernachtet wie letztes Jahr: über drei Millionen. Sie, dagegen hat man ja nichts. Wenn sie alle geräuschlos im Bett liegen und nicht schnarchen – ich schlafe nämlich gern bei offenem Fenster und bin lärmempfindlich –, nicht ummebrösmele beim Zmorge, anschliessend das Geschirr abwaschen und ordentlich verräumen, haben wir gegen Gäste wenig einzuwenden, auch wenn es Schweizer sind.

Doch leider bleibt es nicht dabei. Weil es in Graubünden angeblich so schön ist, machen die Gäste auch noch laufend Fotos und stellen sie ins Internet. In Bergün hat man versucht, ihnen das auszutreiben, aber das Verbot wurde nicht nur nicht befolgt, sondern auch noch stinkfrech als Marketing-Gag verhöhnt. Oberhalb von Bergün liegt der Palpuognasee. Ein nicht weiter bemerkenswerter Tümpel, aber das hält die Gäste nicht davon ab, Bilder von diesem See auf Instagram zu posten. Instagram, kurz Insta, ist eine Fotoplattform, wo man sich schnell erkältet, weil da hat es immer so blutjunge, spärlich bekleidete Influenzerinnen oder wie die heissen und Influenza ist ja bekanntlich ansteckend.

Und seit dieses Insta mit #palpuognasee-Föteli geflutet wird, wollen jetzt plötzlich alle an diesen See. Als ob es da oben nichts Gescheiteres zu fotografieren gäbe, so etwa die wunderschöne Baustelle des neuen Albulatunnels. Zu fötele und dann wieder geräuscharm zu verschwinden, ginge ja noch an. Aber die Instagrammatik sieht offenbar vor, dass man auch noch verweilt, Bäume fällt und das Holz zum Grillieren verwendet. Waldrodung zwecks Fleischkonsum kannte man bisher nur vom Amazonas, ist neuerdings aber auch eine Attraktion im Albulatal. Und weil man für das Grillierte im Magen-Darm-Trakt ja Platz schaffen muss, wird von den Insta-Grillitariern auch gleich noch in die Flora defäziert. Luzi Schutz, Gemeindepräsident von Bergün Filisur, hat darum jetzt seinem Namen alle Ehre gemacht und zum Schutz der Natur einen Ranger eingestellt.

Der ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden. Denn so wie ich die Touristen kenne, fragen sie ihn als erstes, ob er sie nicht mal fotografieren könnte. Und dann natürlich auch, ob er nicht zufällig Klopapier dabei hat.

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