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SYMBOLBILD/KEYSTONE
Christian
Ruch

In «Ruchs Rubrik» beleuchtet Christian Ruch Bedenkliches, Merkwürdiges und Lustiges aus der Region Südostschweiz. Das alles einmal wöchentlich und mit viel Esprit und Humor. Ob Politik, Kultur, Wirtschaft oder Sport – in Ruchs Rubrik hat all das Platz, was sich mit einem Augenzwinkern betrachten lässt.

Bald schon sind eidgenössische Wahlen. Und während in deutschen Parteien regelmässig blutige Gemetzel um die aussichtsreichen vorderen Listenplätze stattfinden, weil manche Bundestagsabgeordnete nichts wirklich Sinnvolles gelernt haben und dringend auf ihr Mandat angewiesen sind, sind die Schweizer Listen eher so jekami. Für jede Randgruppe (Frauen, Jugend) hats eine eigene Liste, und ich bin mir fast sicher, dass es beispielsweise bei den Züzi-Grünen auch eine Liste für Veganer gibt.

Hier in Graubünden tritt eine Partei mit einer Seniorenliste an, was mich erstaunt. Senioren haben doch nun wirklich keine Zeit für Politik, weil sie entweder ein Reisli mit den Jass-Kollegen machen und den ganzen Zug beschallen, beim Arzt sitzen oder zur Probe in den Männer- resp. Kirchenchor müssen. Und ins Altersturnen. Und natürlich auf die Enkeli aufpassen bzw. einen Shuttle-Service zur Krippe organisieren, weil die Madame Schwiegertochter ja unbedingt Karriere machen muss. Gut, die Seniorenliste ist die Idee einer Partei, in der die Welt noch in Ordnung ist und das Mami an seinem gottgewollten Platz, also daheim.

Was mich aber besonders fasziniert, sind diese Listenverbindungen: Parteien schliessen sich zusammen, um so ihre Wahlchancen zu erhöhen. Erst dachte ich: typisch bündnerisch, weil in Graubünden spricht man sich ja gerne mal ab, also auf Baustellen oder so, aber offenbar gibt es Listenverbindungen auch in anderen Kantonen. Und nun frage ich mich, warum eigentlich nur Parteien sowas machen dürfen. Ich will den anderen Mietparteien in unserem Block jetzt vorschlagen, dass wir eine Einkaufslistenverbindung eingehen. Wenn wir dann für alle sagen wir mal auf einen Schlag 300 Liter Milch posten, wollen wir doch mal sehen, ob Migros und Coop uns einen ordentlichen Rabatt verweigern! Oder wenn sich alle Chur-Züri-Pendler zusammenschlössen, könnte man jeden Morgen ein nettes Sonderzügli fahren lassen, das gleich durchrauscht. Ich meine, ist doch uns egal, wie man von Sargans ins Unterland kommt!

Aber die Sarganserländer können sich trösten: Da auch die Jassreisli-Senioren eine Sonderzuglistenverbindung eingehen, ist es im regulären Zug schon bald wieder herrlich ruhig.

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