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Südwärts

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Christian
Ruch

In «Ruchs Rubrik» beleuchtet Christian Ruch Bedenkliches, Merkwürdiges und Lustiges aus der Region Südostschweiz. Das alles einmal wöchentlich und mit viel Esprit und Humor. Ob Politik, Kultur, Wirtschaft oder Sport – in Ruchs Rubrik hat all das Platz, was sich mit einem Augenzwinkern betrachten lässt.

Mein geschätzter Kolumnistenkollege Andrea Masüger hat am Mittwoch anschaulich beschrieben, wie die Schweiz 2069 den 1. August feiert. Wie anders dieses Land sein wird. Leider hat er vergessen zu erwähnen, dass das einzige, was an die gute alte Zeit erinnert, die unklimatisierten, steckdosenlosen Ersatzzüge der SBB aus den 1980er-Jahren sein werden, die garantiert auch noch 2069 nach Chur rumpeln. In denen wir dann zum Ausgleich für den schlechten Service gerne einen happigen «Nostalgiezug-Zuschlag» bezahlen.

Was mich an seinem Beitrag aber sehr alarmiert hat, war die Aussage, 2069 werde es «in Rapperswil so heiss sein wie heute in Barcelona». Forscher der ETH Zürich haben nämlich herausgefunden, dass sich die europäischen Städte klimatisch sozusagen südwärts bewegen. Und es beispielsweise in Vaduz so warm sein wird wie in Milano. Wir Bündner begrüssen das, weil dann muss man nicht mehr so weit fahren, um Italianità zu erleben. Wobei sich Vaduz schon noch es bitzeli anstrengen muss, um das neue Milano zu werden. Allein für den Nachbau des Mailänder Doms – ein Herzensanliegen von Erzbischof Wolfgang Haas, der es ja gern etwas üppig hat – dürfte ein Grossteil des «Städtles» abgerissen werden, wobei angesichts der architektonischen Geschmacksverirrungen Vaduz da nur gewinnen kann, meine ich.

Sorgen mache ich mir aber vor allem um das von Herrn Masüger erwähnte Rapperswil. Wenn es das neue Barcelona wird, stellt sich als dringlichstes Problem die Frage: Wohin mit den Kreuzfahrtschiffen? Die Dinger sind ja mittlerweile so gross, dass sich der Pool hinten am Heck noch in Pfäffikon SZ befindet, wenn die «Costa Tusnelda», oder wie diese Schiffe heissen, in Rappi vor Reede geht. Und was machen 3000 Leute gleichzeitig in Rappi? Gut, sie können in den angeblichen Kinderzoo – aber der ist sicher eine Enttäuschung, weil man dort keine Saugoofen hinter Gittern zu sehen bekommt, sondern nur so Streichelviecher.

Was aus Chur wird, liessen die ETH-Forscher leider offen. Egal! Solange aus uns nicht Palermo, Neapel oder – Jesses Gott! – Ballermann-Malle wird, ist alles gut. Meint auch der Herr Masüger.

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