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Flinten-Uschi

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Soll EU-Kommissionspräsidentin werden: Ursula von der Leyen.
KEYSTONE
Christian
Ruch

In «Ruchs Rubrik» beleuchtet Christian Ruch Bedenkliches, Merkwürdiges und Lustiges aus der Region Südostschweiz. Das alles einmal wöchentlich und mit viel Esprit und Humor. Ob Politik, Kultur, Wirtschaft oder Sport – in Ruchs Rubrik hat all das Platz, was sich mit einem Augenzwinkern betrachten lässt.

Kürzlich erreichte mich die Nachricht, dass ich jetzt 2190 Zeichen für Sie schreiben darf. Das sind 170 mehr als wie sonst, also früher. Also letzte Woche noch. Für mich ist das einerseits ein Problem, weil ich bisher immer genau so viel erlebt habe, dass es für 2020 Zeichen reicht. Wenn ich jetzt 170 Zeichen mehr verblöterlen muss, könnte bei Ihnen der Verdacht aufkommen, dass ich mir irgendwas ausdenke, was dann natürlich meine Glaubwürdigkeit schmälern täte.

Andererseits bin ich froh über mehr Platz, denn es gibt ja wirklich viel zu besprechen. Zum Beispiel den Auftritt von Ivanka neulich am G20-Gipfel. Ich nehme an, in den USA war gerade Töchtertag und drum durfte sie mit, mal gucken, was Daddy so macht, wenn er nicht gerade twittert. Etwas unhöflich fand ich Monsieur Macron, der Ivanka schnöde ignorierte. Was vielleicht damit zu tun hat, dass er mehr so auf den Typ Merkelmutti steht. Oder damit, dass seine Brischitt schon genug Handtäschli hat. Man weiss es nicht.

Bedenklicher finde ich aber, dass Ursula von der Leyen EU-Kommissionspräsidentin werden soll. Nichts gegen sie als Person, die Frisur sitzt immer top, aber als Verteidigungsministerin hat sich mich nicht so richtig überzeugt. Warum? Ich möchte es mal so sagen: Wenn «Flinten-Uschi», wie sie liebevoll genannt wird, unter dem österreichischen Postkartenmaler, der in den 30er-Jahren Deutschland regiert hat, Oberkommandierende der Wehrmacht gewesen wäre, hätte sie erst einmal für zigtausend Mark bei McKinsey ein Gutachten erstellen lassen, wo denn dieses Polen überhaupt liegt. Und ob sich so ein Zweiter Weltkrieg überhaupt lohnt. Auch rein imagemässig. Weil das Image ist der Uschi wichtig. Im Falle eines Angriffs wären die Panzer aber wahrscheinlich schon vor Frankfurt/Oder wegen Motorschaden liegengeblieben, und bis man sie repariert hätte, wäre der Zweite Weltkrieg vorbei gewesen. Weil der ging ja nur sechs Jahre.

Insofern war Flinten-Uschi der Traum aller Pazifisten: Sie hat erfolgreich die Bundeswehr verschrottet. Wenn sie das mit der EU auch macht, braucht es hierzulande keine SVP mehr. Ich merke gerade: Ups, so schlecht ist die Wahl doch nicht. Und die 2190 Zeichen habe ich auch geschafft.