×

Nacktwanderer

Uhr
nackt
Nacktwanderer unterwegs.
ARCHIV
Christian
Ruch

In «Ruchs Rubrik» beleuchtet Christian Ruch Bedenkliches, Merkwürdiges und Lustiges aus der Region Südostschweiz. Das alles einmal wöchentlich und mit viel Esprit und Humor. Ob Politik, Kultur, Wirtschaft oder Sport – in Ruchs Rubrik hat all das Platz, was sich mit einem Augenzwinkern betrachten lässt.

Als Einbürgerungswilliger ging ich eigentlich davon aus, Bürger eines Staates mit Recht und Ordnung zu werden. Nun hat mir aber ein Mitarbeiter des Churer Manor-Restaurants erzählt, dass manche Gäste, die sich am Buffet bedienen, ihr Fleisch unter den Beilagen verstecken, um nur sie bezahlen zu müssen. Als Baden-Württemberger kannte ich solch eine Sparsamkeit bisher lediglich aus dem Schwäbischen, wo, wie selbst miterlebt, Mütter ihrem Nachwuchs am Buffet des All-inklusive-Hotels fröhlich «Kender, greifet zu, es isch älles zahlt!» zurufen.

Umso beruhigter bin ich, dass in anderen Landesteilen noch erfreuliche Ordnung herrscht. So erfuhren wir unlängst, dass gegen das vor zehn Jahren eingeführte Nacktwanderverbot in Appenzell-Innerrhoden bisher kein einziges Mal verstossen wurde. Oder besser gesagt zumindest keine Anzeige deswegen einging. Das wirft natürlich Fragen auf: Machen Nacktwanderer seither einfach einen Bogen um den Alpstein, weil sie beispielsweise realisiert haben, dass eine gemütliche Rast im «Aescher» bei Kaffee und Zipfeli einfach nicht mehr drinliegt? Ehrlich gesagt hatte ich ja gehofft, dass Graubünden von dem Gesetz profitieren könnte, bei uns ist das soviel ich weiss nämlich nicht verboten. Wir Bündner sind dank der Hochjagd so sehr den Anblick von Zitzen, Hörnli und Säckli gewöhnt, dass und allfällig blutte Touristen kaum aus der Ruhe bringen. Leider hat Graubünden Ferien es nicht geschafft, sich um diese Randgruppe zu kümmern. Man plante zwar eine tolle Kampagne mit dem Titel «Unsere Gipfel für Ihren Zipfel», die scheiterte aber am Widerstand gewisser Hoteliers, die einwandten, dass man einem nackten Mann ja gar nicht wie sonst in die Taschen greifen könne. Auch die RhB konnte ihre Kampagne mit so wunderbaren Slogans wie «Nackt im Takt» oder «Sie müssen nicht rot werden – das sind schon wir» glatt in den Papierkorb werfen.

So kam es also leider, wie es kommen musste: Auch in Graubünden ist alles Fleisch weiterhin verdeckt. Und das manchmal sogar im Manor-Restaurant.

Kommentar schreiben

Kommentar senden