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Chalandamarz

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OLIVIA ITEM
Christian
Ruch

In «Ruchs Rubrik» beleuchtet Christian Ruch Bedenkliches, Merkwürdiges und Lustiges aus der Region Südostschweiz. Das alles einmal wöchentlich und mit viel Esprit und Humor. Ob Politik, Kultur, Wirtschaft oder Sport – in Ruchs Rubrik hat all das Platz, was sich mit einem Augenzwinkern betrachten lässt.

Wissen Sie, was das Schöne an Graubünden ist? Uns beschäftigen Probleme, die es so sonst nirgends gibt. Während Sie sich in Rapperswil und Glarus den Kopf zerbrechen, ob Theresa May nicht vielleicht besser Premierministerin von Venezuela werden sollte (da gibts zwar auch Ärger, aber das Wetter ist besser), sorgt uns Unerfreuliches auf dem Gebiet des Brauchtums.

Konkret geht es um den Chalandamarz. Viele Unterländer glauben, das sei die saisonale Biersorte einer Churer Brauerei, andere wissen immerhin, dass die Schuljugend mit blauem Kitteli, rotem Mützli und einer Kuhglocke den Film «Schellenursli» nachspielt. Problem: In den Dörfern des Münstertals gibt es immer weniger Kinder. Denn das Münstertal ist eine besonders abgelegene Gegend. Nach Venedig ist es beispielsweise näher als nach Chur, und in der Urzeit lag das Münstertal sogar an der Adria. Davon zeugt das berühmte Lied «Santa Maria, Insel, die aus Träumen geboren…» des Schlager-Dinos Roland Kaiser, der früher immer Badeferien in der Münstertal-Gemeinde Santa Maria machte. Jedenfalls soll nun der Chalandamarz fusioniert werden, so dass es nur noch einen für das ganze Tal gibt. Ich finde das keine gute Idee. Als man die romanischen Idiome fusionieren wollte, ging das grausam in die Hose. Man sollte lieber den Chalandamarz für die Unterländer Jugend öffnen. Ihr sagen, dass das eine Art Schulstreik mit Kuhglocke sei, bei der es ums Klima gehe. Die RhB könnte die Tsürikids gleich klassenweise von Landquart nach Zernez transportieren, wo die Sondercars von PostAuto Graubünden schon warten. Gelingt es dann noch, die junge schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg ins Münstertal zu holen, ist der Event perfekt. Bis Davos hat sie es ja schon geschafft, da sollten die paar Kilometer mehr kein Problem sein.

Also, liebe Unterländer Eltern und Erzeuger: Melden Sie jetzt Ihren Nachwuchs zum Chalandamarz in Lü, Tschierv oder sonst wo an! Sie haben endlich mal einen Tag lang Ruhe und wir retten unser Brauchtum. So ist doch allen gedient – oder?

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