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In Indien (Teil 3)

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CHRISTIAN RUCH
Christian
Ruch

In «Ruchs Rubrik» beleuchtet Christian Ruch Bedenkliches, Merkwürdiges und Lustiges aus der Region Südostschweiz. Das alles einmal wöchentlich und mit viel Esprit und Humor. Ob Politik, Kultur, Wirtschaft oder Sport – in Ruchs Rubrik hat all das Platz, was sich mit einem Augenzwinkern betrachten lässt.

Unsere Ayurveda-Kur in Indien, über die ich hier die letzten zwei Wochen berichten durfte, neigt sich dem Ende entgegen. Meine Lieblingsbündnerin und ich haben mittlerweile so viel Öl auf Haut und Haar, dass wir uns überlegen, einen Mitgliedschaftsantrag bei der Opec zu stellen. Leider hatte die Kur auch unerwünschte Nebenwirkungen, zumindest bei mir: Da das Resort fernab aller Gleise liegt, bin ich ferrosexuell völlig unterzuckert.

Umso schöner war ein Abstecher zum doch ansehnlichen Hauptbahnhof von Trivandrum mit dem wunderbaren Namen Thiruvananthapuram Central. Die indische Eisenbahn ist einer der grössten Arbeitgeber weltweit und bietet berufliche Entfaltungsmöglichkeiten, die bei uns völlig unbekannt sind. So etwa den Job der Lokherbeiwinkerin. Sie kommt zum Einsatz, wenn sich eine Lok langsam den Waggons nähert, um sie anzuhängen. Die Lokherbeiwinkerin steht auf dem Perron und wedelt mit einem grünen Fähnli. Bis zum Moment, da die Lok fast am Waggon ist. Dann wedelt sie mit einem roten Fähnli und die Lok stoppt. Toll! Ich frage mich, warum bei den SBB, der RhB und anderen Schweizer Eisenbahnunternehmen immer noch so Handgelenk mal Pi die Loks zu den Waggons gebracht werden. Zugegeben, das geschieht in den allermeisten Fällen mit der nötigen Präzision – dennoch wäre es durchaus wünschenswert, wenn es auch bei uns Lokherbeiwinkerinnen gäbe. Gerade für Jugendliche, die sich schwertun mit der Berufswahl, wäre es doch schön, wenn das Bundesamt für Verkehr die Möglichkeit böte, im Rahmen eines Lokherbeiwinkorientierungsjahrs ein bisschen mit den Fähnli zu wedeln, bis sie wissen, was sie werden wollen. Oder die Laufbahn zum/zur eidg. dipl. Lokherbeiwinker/in einschlagen. Ein Super-Job an der frischen Luft mit Betätigung der Armmuskulatur!

Ich gehe jetzt übrigens bald an den SBB-Schalter und erkundige mich nach einer Zugsverbindung Chur-Thiruvananthapuram Central. Via Landquart. Jedem echten Isebähnler schlägt das Herz höher, wenn er so eine anspruchsvolle Verbindung heraussuchen darf. Oder?  

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