×

In Indien (Teil 2)

Uhr
Christian
Ruch

In «Ruchs Rubrik» beleuchtet Christian Ruch Bedenkliches, Merkwürdiges und Lustiges aus der Region Südostschweiz. Das alles einmal wöchentlich und mit viel Esprit und Humor. Ob Politik, Kultur, Wirtschaft oder Sport – in Ruchs Rubrik hat all das Platz, was sich mit einem Augenzwinkern betrachten lässt.

Wie ich Ihnen das letzte Mal erzählt habe, sind die Lieblingsbündnerin und ich gerade auf Ayurveda-Kur in Indien. Die Mutation zum Gurkensalat mittels Öl und Gurkenscheiben ist mittlerweile abgelöst worden durch das Bestreichen des Körpers mit einer feinen Basilikum-Paste, was mich zu einem naturgemäss etwas breit geratenen Spaghetto al pesto verwandelt hat. Auch nicht schlecht, man bekommt irgendwie Appetit auf sich selbst. Die Metamorphose zu einer Art Milchreis habe ich ebenfalls bereits hinter mir, allerdings ohne Zimt.

Interessant ist das Publikum in unserem Ayurveda-Resort. Vor allem die von mir als «Ayurveda-Gatten» bezeichneten Herren. Das sind Ehemänner, die ihrer Frau zuliebe diese Art von Kur mitmachen. Wobei der Übergang zwischen Liebesbeweis und Nötigung in einigen Fällen fliessend zu sein scheint, Stichwort «Ayurveda oder Scheidung». Jedenfalls legt der Ayurveda-Gatte anfangs eine gewisse Lässigkeit an den Tag. Er glaubt, das alles sei ein bisschen Pulsdiagnose mit Anfassen. Sozusagen Wellness in Öl. Besonders freut er sich auf die zarten, geschmeidigen Hände der herzigen weiblichen Inderli, nicht ahnend, dass in Indien eine geschlechtergetrennte Behandlung gesetzlich vorgeschrieben ist. Er es also nur mit kräftigen Männerpranken zu tun haben wird. Und spätestens wenn dann das Thema «Purification» (Reinigung) auf dem Behandlungsplan steht, ahnt auch der Ayurveda-Gatte, dass seine Gedärme Dinge preiszugeben haben, von denen er keine Ahnung hatte, dass er sie in sich trägt. Die diversen Formen der Reinigung sind bei den Ayurveda-Profis (Aufenthalt drei Tage plus) sowieso das beherrschende Thema. Fragt man am Anfang sein Gegenüber noch nach der Herkunft, erkundigt man sich spätestens ab Tag vier, ob das Reinigungsmittel oral oder rektal verabreicht wurde. Ist daheim das Wetter ein Thema, ist es hier die Ausscheidung – Durchfall statt Schneefall sozusagen.

Denn erst wenn Sie oben reinschauen und unten das Tageslicht sehen, wissen Sie, dass die Reinigung erfolgreich war...

Kommentar schreiben

Kommentar senden