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CHRISTIAN RUCH
Christian
Ruch

In «Ruchs Rubrik» beleuchtet Christian Ruch Bedenkliches, Merkwürdiges und Lustiges aus der Region Südostschweiz. Das alles einmal wöchentlich und mit viel Esprit und Humor. Ob Politik, Kultur, Wirtschaft oder Sport – in Ruchs Rubrik hat all das Platz, was sich mit einem Augenzwinkern betrachten lässt.

Morgen Sonntag ist für uns Ferrosexuelle der höchste Feiertag: Fahrplanwechsel! Gespannt wie Kinder an Weihnachten öffnen wir die Wundertüte der Einfälle von SBB, RhB, PostAuto & Co. Immer ist etwas Schönes dabei, dieses Jahr etwa eine stündliche Direktverbindung von Chur zum Zürcher Flughafen. Juhuu! Kleiner Schönheitsfehler: Sie führt via – St. Gallen. Wahrscheinlich eine Ehrerbietung an Bundesrätin Keller-Sutter.

Doch ich nörgle auf hohem Niveau. In der Dienstleistungswüste Deutschland gehts dann ganz anders zu, im Fall. Dort brauchen Sie für eine Bahnfahrt eine gute körperliche Konstitution und Ausrüstung. Denn falls Ihr ICE nachts mit einer Rotte Wildschweine kollidiert, stundenlang auf freier Strecke stehenbleibt und aus Sicherheitsgründen die Fahrleitung abgeschaltet wird, kann es im Zug gern mal frisch und dunkel werden. Daher bei Fernreisen mit der Deutschen Bahn immer einen Daunenschlafsack und eine Taschenlampe dabeihaben. Und genügend Proviant, da das Bordrestaurant auch ohne Wildschweine meistens nicht funktionstüchtig ist. Zudem sollten Sie die Geheimsprache der Deutschen Bahn verstehen: «Änderungen im Betriebsablauf» heisst, dass gerade mal wieder alle Loks kaputt und/oder alle Lokführer krank sind. Ganz wichtig ist auch die Abkürzung SEV: Sie steht für Schienenersatzverkehr. Bedeutet, dass Sie irgendwo in der Pampa aus irgendwelchen Gründen (Signalstörung o.ä.) den Zug gegen einen Car tauschen müssen und von einem leider weder des Deutschen noch der Fahrtroute mächtigen Chauffeur aus Przemyśl zu einem Bahnhof gebracht werden, von dem es mit dem Zug weitergeht. Also vielleicht.

Andererseits: In Deutschland ist Bahnfahren noch ein echtes Abenteuer! Der Adrenalin-Kick pur! Darum mein Geschenktipp: eine Fahrt mit der Deutschen Bahn von sagen wir Basel SBB nach Westerland (Sylt). Sollten Sie meinen, Ihr Zug sei ja suupi pünktlich, täuschen Sie sich nicht: Sie sind in dem vom Vortag. Sie werden also Ihren Enkeln dereinst viel zu erzählen haben. In diesem Sinne: Happy Fahrplanwechsel!

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