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Coola Siach

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PIXABAY
Christian
Ruch

In «Ruchs Rubrik» beleuchtet Christian Ruch Bedenkliches, Merkwürdiges und Lustiges aus der Region Südostschweiz. Das alles einmal wöchentlich und mit viel Esprit und Humor. Ob Politik, Kultur, Wirtschaft oder Sport – in Ruchs Rubrik hat all das Platz, was sich mit einem Augenzwinkern betrachten lässt.

Wenn meine Bündner Mitmenschen jenseits von Maienfeld erzählen, woher sie kommen, wird ihnen stets viel Sympathie zuteil. Das liegt nicht zuletzt an ihrer urchigen Lebensweise. Dass der Bündner sich jeden Morgen erst einmal nackt auf dem Balkon von Kopf bis Fuss mit Murmeltieröl einreibt und dergestalt duftend auf Romanisch den Tag begrüsst oder seine Potenz verbessert, indem er gemahlenes Steinbockhorn in Röteli auflöst, nötigt Unterländern Bewunderung ab.

Besonders fasziniert sie aber die bündnerische Unkompliziertheit. So berichtete unlängst das Fachblatt für komplexe zwischenmenschliche Beziehungen, der «Blick», dass sich ein 19-jähriger Churer in alkoholisiertem Zustand in der zufällig offenen Haustür geirrt und deshalb in einer fremden Wohnung zu dem dort gerade ruhenden jungen Päärli ins Bett gelegt habe. Ihn aufzuwecken war weder dem Päärli noch den hinzugezogenen Polizisten und Sanitätern möglich, sodass der junge Mann komatös wie er war im Rollstuhl ins Spital gebracht wurde. Wach geworden war die Frau des Hauses übrigens, weil der Erholungssuchende ihr im Bett die Füsse ins Gesicht gestreckt hatte. Da das selbst in Graubünden nicht unter eine gängige Sexualpraktik fällt und zu diesem Zeitpunkt (3.40 Uhr) auch kein Flotter Dreier traktandiert war, konnte ein zärtlicher Annäherungsversuch ausgeschlossen werden, was die Frau veranlasste, sich den Fussbesitzer einmal genauer anzuschauen. Füsse, die notabene nicht mehr in den Schuhen steckten, was dem Überraschungsgast ebenso hoch angerechnet wurde wie der nach Wiedereintreten der Handlungsfähigkeit als Entschuldigung kredenzte Honig. Kurzum: «An coola Siach», so die Reaktion der jungen Frau. Sie und ihr Partner wollen zukünftig aber doch lieber die Wohnungstür abschliessen.

Ende gut, alles gut. Ach ja, der Kanton Zürich will jetzt übrigens wegen Überfüllung seiner Gefängnisse Häftlinge in Graubünden unterbringen. Meine Lieblingsbündnerin und ich machen schon mal Platz im «Gräbli». Vielleicht bekommen wir ja auch «an coola Siach».