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Fressbalken

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LANTUS/WIKIPEDIA
Christian
Ruch

In «Ruchs Rubrik» beleuchtet Christian Ruch Bedenkliches, Merkwürdiges und Lustiges aus der Region Südostschweiz. Das alles einmal wöchentlich und mit viel Esprit und Humor. Ob Politik, Kultur, Wirtschaft oder Sport – in Ruchs Rubrik hat all das Platz, was sich mit einem Augenzwinkern betrachten lässt.

Zu den schmerzhaften Erfahrungen des Lebens zählt, dass gewisse Bezeichnungen absolut nicht halten, was sie versprechen: Dass der Zitronenfalter keine Zitronen faltet, wissen mittlerweile selbst bildungsferne Schichten. Das Zigeuner-Schnitzel enthält selbst im besten Fall keinerlei Anteile von Sinti und Roma. Und amerikanische Präsidenten müssen überhaupt nicht präsidial sein.

Von einem sogenannten «Fressbalken» erwartet man hingegen eigentlich schon, dass es ein Balken ist, auf dem man halbwegs bequem sitzen und eine Mahlzeit zu sich nehmen kann. Doch weit gefehlt! Der Fressbalken aka Autobahnraststätte Würenlos bietet zwar die Möglichkeit, erlebnisgastronomisch Speisen und Getränke zu erwerben, für ein Picknick mit Selbstmitgebrachtem aber kaum Sitzgelegenheiten. Also machten sich die Lieblingsbündnerin an meiner Seite und ich auf, um angesichts der Hitze draussen innerhalb des Fressbalkens nach einer Sitzgelegenheit ohne Konsumationszwang zu suchen. Um es kurz zu machen: Es gibt sie nicht, sieht man von den Toiletten einmal ab, aber auch deren Benutzung ist nicht gratis. Ich dachte einen Moment daran, dass wir unseren Proviant im Erotic Shop vertilgen und uns währenddessen über neue Produkte informieren lassen könnten. Doch wäre das Verkaufspersonal wohl nicht so begeistert gewesen, wenn die Sosse meines deutschen Wurstsalats auf so einen Dildo getropft wäre. Wobei ich mir durchaus vorstellen kann, dass Sex-Toys mit Wurstsalat-Aroma gerade im Aargauer Umland des Fressbalkens auf grosses Interesse stossen würden. Jedenfalls setzten wir uns dann ins «Marché», teilten uns einen dieser sündhaft teuren Säfte und assen halt da unser Mitgebrachtes. Schuldbewusst naturgemäss.

Als wir weiterfuhren, sahen wir, dass wir auch mit osteuropäischen Camion-Chauffeuren hätten picknicken können, die da im Schatten ihrer Monster-Trucks auf Klappstühlchen hockten. Ihnen wären wir sicher willkommen gewesen. Und sicher hätten sie uns erklären können, warum es in unserer Polenta eigentlich keine Polen hat.