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Maissen meint: Digitaler Wandel und gedankliche Vielfalt

Maissen meint: Digitaler Wandel und gedankliche Vielfalt

vor 1 Monat in
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UNSPLASH

Haempa Maissen ist erfolgreicher Bündner Geschäftsmann. In loser Folge lässt der Geschäftsführer einer Churer Agentur seinen Gedanken rund um den Arbeitsplatz Graubünden freien Lauf.

Die Pandemie ist eine Chance. Das tönt im ersten Moment zynisch, denn Menschen sterben, Unternehmen müssen schliessen oder es entstehen ungute neue Abhängigkeiten gegenüber Dritten. Denken wir nur an die Kredite, die nun viele Geschäfte aufnehmen müssen, um zu überleben. Und dennoch: Wenn alles Leid überstanden ist, wird vor allem etwas Bestand haben aus dieser schwierigen Zeit, nämlich der digitale Wandel.

Zwar ist es schade, dass wir uns an Weihnachten nicht wie gewohnt treffen können. Dafür feiern wir vielleicht das erste virtuelle Familienfest. Zwar schickt mich die Regierung je nach Branche in eine betriebliche Zwangspause. Doch anstatt nur Trübsal zu blasen, kann ich mich online weiterbilden oder die Konkurrenz analysieren.

Schöpfen wir so schon das volle Potenzial der Digitalisierung aus? Wenn wir das gleiche wie früher einfach online machen? Wenn ich nach der Pandemie nicht nur ein Hoflädeli, sondern auch noch einen Hof-Onlineshop habe? Oder wenn ich die Vorstandssitzung mit denselben Leuten anstatt im Büro per Videokonferenz abhalte? Für mich tönt das mehr nach altem Wein in neuen Schläuchen. Alter Wein per se ist ja noch nicht schlecht, doch was wir in dieser Zeit vor allem brauchen ist Mut und neues Denken.

Wiederum dank der Digitalisierung war es noch nie so einfach, sich neues Denken in seiner ganzen Vielfalt anzueignen. Wir alle tragen diese Gedankenwelt von Menschen mit unterschiedlichstem Hintergrund bereits in der Hosentasche. Nutzen wir das, um unseren Horizont zu erweitern. Und vielleicht finden wir dann einen ganz neuen Absatzmarkt für die Produkte unseres Hoflädelis. Vielleicht beschert uns dieses Jahr das Familienfest noch die Präsenz des ausgewanderten Onkels in Amerika. Und wieso sollte ich die Bloggerin aus Singapur, die mich schon lange inspiriert, nicht mal zu einem Inputreferat an der Vorstandssitzung einladen?

Diversity ist in aller Munde. So politisiert, wie der Begriff heute ist, geht sein Kerngehalt gerne vergessen. Es geht um die Vielfalt der Gedanken und des Erfahrungsschatzes. Diese zu nutzen, liegt unserem ureigenen Interesse und hält uns fit. Die Digitalisierung bietet uns die Chance, so stark wie noch nie von dieser Diversity of Mind zu profitieren. Der digitale Wandel muss den Menschen ins Zentrum rücken.

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