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Gedankenwelt

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PIXABAY

In dieser Kolumne von Pesche Lebrument gehts um nichts Besonderes. Einfach Leben.

Es schläft nicht. Gedanken wühlen im Kopf. Ich höre ein Hörbuch und versuche mich in den Gedanken eines anderen zu verlieren. Ich kann mich einfach nicht auf die Geschichte konzentrieren. Auch Musik hilft nicht. Heute gelingt es mir nicht, mich in den Schlaf zu lärmen. Ich versuche es mit Ruhe und schliesse die Augen, doch in der Stille vermehren sich die Gedanken.  

Woher weiss mein Hirn eigentlich, was es die ganze Zeit über denken soll? Warum denke ich ausgerechnet jetzt über mein Hirn nach?  Du sollst schlafen, nicht grübeln… «Du?» wer hat das jetzt gerade gesagt? Wenn ich selbst meine innere Stimme wäre, dann wäre ich doch nicht vom Gesagten überrascht.

Ich wälze mich hin und her. Der Erzähler in meinem Kopf redet und redet. Er spricht mit meiner Stimme. Denke ich rund um die Uhr? Verstummt die Stimme im Schlaf oder werden Gedanken zu Träumen?

Ich öffne den Rollladen meines Dachfensters. Vom Kissen aus blicke ich direkt in die Nacht. Leuchtende Punkte erschaffen den Himmel. Über mir türmt sich das Universum. Wer hat den Himmel bloss so schön gemacht? Es ist wohl kein Zufall, dass die Religionen die Geschichten der Götter in den Himmel verlegt haben.

Wind schleicht ums Haus, durch ein angelehntes Fenster zieht er an den Vorhängen, er rauscht und pfeift um alle Ecken. Lautstark ist die Kälte dieser klaren Nacht. Das Firmament funkelt, jenseits der Finsternis beginnt die Unendlichkeit. Vom Kissen aus gesehen dreht sich das ganze Universum um mich. Gleichzeitig macht der Anblick klein von Gestalt und Bedeutung. Unter dem riesigen Mond wird selbst die Erdkugel zum Spielball. Auf ihr treibe ich ziellos durchs Weltall.

In meinem Gedankenuniversum sehe ich mich selbst gerade als Kugel im Flipperautomaten. Sie wird ständig hin und her geworfen, stösst an Hindernisse, gewinnt und verliert. Wer drückt an meinem Flipper eigentlich die Tasten? Im Gegensatz zur echten Flipperkugel gerate ich wenigstens nur selten auf die schiefe Bahn.

Schon schräg, was sich mir da oben so alles zusammenbraut. Hat der Blick durchs Dachfenster diese ganze Gedankenwelt geschaffen oder denken Gedanken ganz generell, was sie wollen? Existiert überhaupt irgendetwas jenseits meiner Gedanken?

Naturschauspiel am Nachthimmel, ein Gestirn erglüht und erlischt. Selbst Sterne sterben. Gemessen am Tod ist alles bedeutungslos. Und gemessen am Leben? Was sind denn das schon wieder für Gedanken? Glücklicherweise ist meine innere Stimme nicht ständig todernst. Ganz besonders mag ich ihren Sarkasmus. Er kommt dem meinen ziemlich nahe. Ich bin ein Fliegenschiss im All, auch die Natur hat Humor.

Der Mond ist eine überdimensionierte Nachttischlampe, deutlich erkenne ich die Umrisse meines Zimmers. Kein Schlaf weit und breit. Genug ist genug. Ich stehe auf, setzte mich an meinen Pult und schreibe diese, meine vorläufig letzte Kolumne. Meine innere Stimme ist Co-Autor.

Wieder lege ich mich ins Bett. Einfach die Augen zu und in mir drin. Sofort schlafe ich ein. Die innere Stimme ist verstummt, nur die Gedanken finden keine Ruhe.

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