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Ich will diese ganz bestimmte Filmszene

Ich will diese ganz bestimmte Filmszene

Single
Böckin
03.11.21 - 17:52 Uhr
Bild Unsplash

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

Ich habe es mal wieder getan: Den verregneten Tag mit romantischen Komödien verbracht. Meine Nemesis. Wieso? Ganz simpel: Sie katapultieren meine Erwartungen in Sphären, die für Normalsterbliche nicht erreichbar sind und lassen mich für Wochen mit einem unstillbaren Gefühl der Sehnsucht zurück.

Ich bin glücklich alleine, mir geht’s gut, ich brauche keine Beziehung und so weiter und so fort, all das ist noch immer wahr. Mir geht’s wirklich gut. Allerdings wenn ich beim dritten Film die fünfte romantische «im Regen küssen-Szene» sehe, meldet sich trotzdem die Stimme in meinem Hinterkopf. Ich habe da nicht wirklich Kontrolle drüber, es ist wohl auch ein ziemlich normaler Trieb. Liebe ist schliesslich das non plus Ultra, so wollen sie es uns zumindest weis machen.

Die intensiven Gefühle, die mit einer neuen Liebschaft kommen, die vermiss ich schon ein bisschen. Die Schmetterlinge, das ständige aneinander Denken, das peinliche Kichern, wenn der jeweils andere etwas sagt, dass eigentlich gar nicht so lustig ist. Wenn man einen bestimmten Song hört und die eigenen Gedanken sofort ein Bilderbuchszenario malen. Die Aufregung, wenn man nächtelang damit verbringt, zusammen zu diskutieren, sich kennenzulernen, Gemeinsamkeiten zu finden und siche über Differenzen zu streiten. Der erste Kuss, dann der Zweite. Die Zweifel, die unvermeidlich sind, die man dann aber achtlos über Bord wirft, denn das Gefühl von frischer Verliebtheit ist einfach zu verlocken. Ja, das vermiss ich.

Was danach kommt, hm. Es scheint einen Grund zu geben, wieso die Filme auf dem Höhepunkt aufhören, wieso der erste Kuss meist die Schlussszene ist und wieso man die Tage, Wochen, Monate danach nicht im Detail aufführt. Ich kann meinen Senf hierbei nicht dazugeben, die Phase endet bei mir meist relativ schnell. Manchmal im gegenseitigen Einvernehmen, manchmal nicht. Es ist auch dieser Teil, den ich jetzt nicht unbedingt vermisse, obwohl ich ihn noch nie richtig gekannt habe.

Das mag jetzt vielleicht komisch rüberkommen, aber gerade jetzt könnte ich so einen «Filmfreund» oder «Feiertagefreund» eigentlich ganz gut gebrauchen. Sich für ein paar Wochen Hals über Kopf in ein Abenteuer zu stürzen und zu wissen, dass der gegenseitige Spass ein Ablaufdatum hat. So quasi, war schön mit dir, viel Glück auf dem Rest deines Lebenswegs, sobald die Uhr zwölf Uhr schlägt. Klingt irgendwie ein wenig egoistisch.

Ich glaube, die kommenden Feiertage und die kälter werdenden Temperaturen, bei denen das Kuscheln auf dem Sofa verlockender wird, machen mich ein wenig sentimental. Es ist wohl wieder Zeit für einen Detox was romantische Filme angeht und ich sollte Playlists, die nicht voll mit Liebesliedern sind, den Vorzug geben. Trotzdem, so ganz «Anti-Beziehung» bin ich im Moment nicht und sollte jemand beim Weihnachtsmarkt Glühwein über mich schütten und wir uns danach romantisch in den Augen des jeweils anderen verlieren, werde ich vielleicht sogar schwach. Wer weiss.

Passt auf euch auf und packt euch warm ein, nicht dass ihr euch noch erkältet!

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