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Verkuppeln? Nein, danke!

Verkuppeln? Nein, danke!

Single
Böckin
vor 2 Monaten in
Bild Pixabay

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

Schaut, für mich ists komplett okay, alleine durch das Leben zu ziehen und das vielleicht zum ersten Mal seit langer Zeit. Wirklich. Das Singledasein bereitet mir keinerlei Mühen, im Gegenteil: Ich geniesse die Freiheit in vollen Zügen. Manche in meinem Freundeskreis sehen das Fehlen eines Partners an meiner Seite allerdings als Challenge, diese Lücke zu füllen und ganz ehrlich – danke, aber nein, danke.

Ich weiss, es ist gut gemeint. Sie wollen mir ein wenig ihres in der Liebe gefundenen Glücks abgeben und haben stets den passenden Kandidaten parat. Wenn ich allerdings noch einmal den Satz hören muss: «Ich kenne da jemanden, der würde dir bestimmt gefallen!» oder irgendeine Variation davon, beginne ich auf der Stelle zu schreien und höre erst damit auf, wenn der Groschen gefallen ist. Verkuppelt zu werden ist das Schlimmste.

Ich fühle mich, als wäre ich in irgendeiner Folge der Bachelorette in einem Paralleluniversum, wo mir die Kandidaten einzeln von meinen Freundinnen und Freunden präsentiert werden. Zuerst gibts ein Bild, dann werden die besten Charaktereigenschaften angepriesen und schlussendlich gibts die Fakten, wieso wir ein ach so tolles Paar abgeben würden. Schliesslich seien das alles wundervolle Typen, die mich perfekt ergänzen würden, ich müsse ihnen nur eine Chance geben.

Das Problem, das ich mit solchen Aussagen habe: Wieso datest du ihn dann nicht, wenn er so grossartig ist? Irgendwo muss da ja ein Haken sein, denn sind wir mal ehrlich: Männer, die für eine Beziehung tatsächlich infrage kommen, findet man nicht gerade wie Sand am Meer. Nicht böse gemeint.

Jedes Mal, wenn irgendjemand mich verkuppeln will, kommt das auch mit einer gewissen Erwartungshaltung. Fast so, als würde ich die Gefühle der Verkupplerin oder des Verkupplers verletzen, wenn ich nicht einer Meinung mit ihnen bin und den «grossen Fang» gar nicht mal so «gross» finde. Das ist auch nicht deren Fehler, ehrlich nicht, danke für den Versuch, aber ich glaube, meine Standards sind einfach zu hoch und ich bin (noch) nicht bereit dazu, diese wieder hinunterzuschrauben. Ich warte jetzt erstmal auf meinen Prinzen hoch zu Ross, denn das andere haben wir bereits durch und geklappt hat es nie.

Die Bemühungen sind ja ganz nett und ich rechne es ihnen auch hoch an, dass sie es tatsächlich versuchen. Aber es wäre auch okay, zu akzeptieren, dass ich schlichtweg nicht will. Mag sogar sein, dass einer der Kandidaten (jetzt nenn ich sie sogar echt schon Kandidaten, ich fühl mich wirklich wie die Bachelorette) tatsächlich wie die Faust aufs Auge zu mir passen könnte, soll ja existieren. Es ändert trotzdem nichts am Fakt, dass ich im Moment und in naher Zukunft nach keiner Beziehung suche. Wenns passiert, kann ichs natürlich nicht steuern, aber ich möchte es nicht aktiv drauf anlegen.

Wenn ich ganz ehrlich bin, kenne ich auch kaum Geschichten von Paaren, bei denen das Verkuppeln tatsächlich funktioniert hat. Ich glaube fest daran, dass die Partner, die einem überraschenderweise und in einem unerwarteten Moment begegnen, die sind, mit denen es am ehesten funktioniert. Aber wer weiss, vielleicht liege ich total falsch und wenn ich das nächste Mal schwach werde und mich auf eine Verkupplung einlasse, finde ich die Liebe meines Lebens. Sag niemals nie!

Geniesst die Woche, auch wenn der Sommer etwas auf sich warten lässt,

Eure Singleböckin

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