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Erster Eindruck: Geht so

Erster Eindruck: Geht so

Single
Böckin
vor 4 Monaten in
Nach dem ersten Eindruck wird eine Person schnell in eine Schublade gesteckt.
PIXABAY

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

Der erste Eindruck zählt, das kriegt man bereits als Kind eingetrichtert. Da ist ja auch tatsächlich etwas Wahres dran. Zumindest ich bilde mir ziemlich schnell eine Meinung, die sich dann meistens erst auf den zweiten Blick relativiert. Es ist fast schon ein Automatismus, dass wir Menschen sehr schnell schubladisieren, meist nicht einmal gewollt.

Und genau das wird mir zum Verhängnis. Ich mache nicht gerade den besten ersten Eindruck. Was wohl daran liegt, dass ich eine ziemlich distanzierte Person bin. Nicht viel Ähnlichkeit mit diesen Menschen, die regelrecht Sonnenschein und gute Laune versprühen. Es gehört nicht zu meinen Superkräften, einen Raum zu betreten und alle Köpfe drehen sich nach mir um. Ich bin nicht diejenige, die immer weiss, was man sagen soll und ich lache eher in den falschen, statt den richtigen Momenten. Mein Humor ist nicht jedermanns Sache und generell sind meine sozialen Fähigkeiten fragwürdig.

Hinzu kommt, dass mein neutraler Gesichtsausdruck unglaublich genervt und missgelaunt aussieht. Kontrolle habe ich darüber nicht wirklich. Sobald ich meine Gesichtsmuskeln entspanne, sehe ich aus, als würde ich mein Gegenüber am liebsten erdrosseln. «Resting Bitch Face» wird es auch genannt. Klar, ich bin von Natur aus nicht gerade Optimistin, aber dauernd mies gelaunt, wie mein Gesichtsausdruck suggeriert, bin ich dann doch auch nicht.

Wieso das ein Problem ist? Gehen wir mal vom hypothetischen Szenario aus, dass die Clubs wieder offen haben und ich an der Bar stehe. Normales Szenario, schliesslich beginnen viele Liebschaften betrunken im Dämmerlicht eines Clubs. Nur sehe ich aus, als würde ich gerade die schlimmste Zeit meines Lebens erleben und wäre überall lieber als hier. Logisch werde ich nicht angesprochen. Grossartig etwas an meinem Gesichtsausdruck ändern kann ich auch nicht, denn würde ich den gesamten Abend gezwungen grinsen, würde es eher wie eine Psychose aussehen und nicht, als wäre ich happy. Seht ihr, suboptimal.

Auf den ersten Blick würde ich mich wohl auch nicht gerade als Freundin wollen. Es braucht ein, zwei Treffen, bis ich meine sorgfältig aufgebauten Mauern lockere. Harte Schale, weicher Kern, oder wie war das? In Wirklichkeit ist die distanzierte, kalte Fassade eben nichts anderes als das: Eine Fassade. Innerlich bin ich vielleicht nicht gerade ein strahlender Sonnenschein, aber ein gemütliches Kaminfeuer.

Ich werde wohl noch ein paar Wochen haben, um eine Lösung für die Barsituation zu finden und bis dahin stört mich mein «Resting Bitch Face» nicht. Es ist zwar nicht gerade förderlich, wenn es darum geht, neue Leute kennenzulernen, aber es hält mir auch unnötige Gespräche vom Leib, wie zum Beispiel mit denjenigen, die mir am Bahnhof irgendwelche Sachen andrehen wollen. Ich lebe in der romantischen Vorstellung, dass diejenigen, die wollen, mich trotzdem kennenlernen werden. Und immerhin können sie dann positiv überrascht sein! Das ist doch auch was.

Bleibt gesund und passt auf Euch auf!

Eure Singleböckin

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