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Kommerzialisierung der Liebe

Kommerzialisierung der Liebe

Single
Böckin
vor 2 Monaten in
rote Rosen Valentinstag
OLIVIA AEBLI-ITEM

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

In den Schaufenstern findet man wieder Herzen über Herzen, was nur eines bedeuten kann: Der Valentinstag steht kurz bevor. Jedes Jahr aufs Neue bin ich erstaunt, was man alles in Herzform pressen oder verpacken und für den doppelten Preis verscherbeln kann.

In meinen Teenagerjahren fand ich es unglaublich schlimm, am Valentinstag alleine zu sein. Unglücklicherweise war das so ziemlich jedes Mal der Fall, bis ich dann begonnen habe, dem keine Beachtung mehr zu schenken. Ich mache dafür die übermässige Anzahl an romantischen Teenagerkomödien verantwortlich, die mir ein verzerrtes Bild dieses Tages vermittelt haben. Als würde in der Schweiz eine A-capella-Gruppe dir ein Ständchen singen oder ein Typ auch nur auf die Idee kommen, herzige Valentinsgrüsse zu verschenken. Damals hatte ich das Gefühl, dass es unglaublich traurig sei, den Tag der Liebenden alleine zu verbringen. Heute ist es mir egal. Ich bin fast schon froh.

Ich erwische mich dabei, wie ich diejenigen, die eine herzförmige Pralinenschachtel kaufen, fast ein wenig belächle. Die Kommerzialisierung von Liebe kommt mir absurd vor. Ich kann es verstehen, wenn man sein eigenes Jubiläum feiert, aber ein quasi willkürlich gewählter Tag? Liebe ist etwas, das auch ohne speziell auserkorenen Tag gefeiert werden sollte. Täglich und ohne den Druck, zu müssen. Ein paar Blumen als Überraschung an einem anderen Tag sind für mich viel stärker zu gewichten als dann, wenn es erwartet wird, sich gegenseitig zu beschenken.

Was mich an diesem Tag auch noch stört? Dass man das eigene Glück den anderen quasi ins Gesicht drücken muss. Es reicht nicht, den ganzen Tag gemeinsam zu verbringen, sondern man muss es mit der gesamten digitalen Welt teilen. Ich freu mich schon unglaublich darauf, die Instagramstories mit dem Datum des Zusammenkommens und den Worten «you and me forever» zu sehen. Dabei präsentiert man das unglaublich einzigartige Geschenk, das in den nächsten fünf Stories mindestens noch drei Mal vorkommt.

Meine Ablehnung gegenüber dem Valentinstag hat nicht mit Neid zu tun. Für mich ist das Konzept einfach eine weitere Erfindung der Menschheit, Profit zu schlagen. Den Tag würde ich wohl auch boykottieren, wenn ich mich in einer glücklichen Beziehung befinden würde. Würde ich den Wert der Liebe daran aufhängen, wie gross das Geschenk meines Partners ist, würde für mich etwas falsch laufen.

Solltet Ihr allerdings den Valentinstag feiern, tut das! Geniesst die Zeit zu zweit und schlagt euch die Bäuche mit Schokolade voll, aber macht es, weil Ihr es wollt und nicht, weil irgendjemand einmal beschlossen hat, den 14. Februar zu einem speziellen Tag zu krönen. Und falls Ihr Euch wie mein Teenager-Ich in ein paar Tagen einsam fühlt, schenkt Euch selbst ein bisschen Liebe. Um sich eine Freude zu machen, braucht man keine zweite Person und Schokolade kann man genauso gut alleine essen. Man muss nicht mal teilen!

Macht’s gut!

Eure Singleböckin

 

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