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Die kritische Jahreszeit

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Single
Böckin

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

Ich liebe den Herbst. Ich liebe die warmen Farben und das typische Sonnenlicht, das alles in Gold zu tauchen scheint. Ich liebe es, dass man sich wieder in zu grosse Pullis kuscheln kann und die Gemütlichkeit an die Stelle des rasanten Sommers tritt. Herbst ist super, doch die Jahreszeit hat auch seine Schattenseiten.

Jährlich schleicht sich mit den sinkenden Temperaturen das Gefühl vom alleine sein an und überrascht mich eines Tages aus dem Hinterhalt. Ich weiss, dass es kommt, aber ich weiss nicht, wann. Es ist kein Gefühl von Einsamkeit, so schlimm ists nicht, aber ich fühl mich allein. Es ist die Jahreszeit, in der ich mir wirklich jemanden an meiner Seite wünsche.

Ich habe das eigentlich selten. Meistens komm ich mit mir ganz gut zurecht. Doch mit dem Ende des Jahres kommen die Selbstzweifel und das Verlangen, geliebt zu werden. Woran es liegt, kann ich nicht genau in Worte fassen. Vielleicht grundlos, vielleicht weil der Herbst mit seiner Behaglichkeit der Romantiker unter den Jahreszeiten ist.

Manche würden wohl behaupten, dass der Frühling die Zeit ist, in der sich die meisten frisch verlieben. Nicht umsonst ist allen das Wort «Frühlingsgefühle» so geläufig. Es stimmt ja auch. Während den ersten Monaten des Jahres, beginnt so viel Neues, da kann es gut und gerne vorkommen, dass es auch im Bereich der Liebe spriesst. Doch für mich ist der Frühling auch immer ein Abschied. Man sagt dem Winter und der Kälte auf Wiedersehen und schlittert in die wärmeren Monate voller Pläne. Frühjahrsmüdigkeit ist für mich viel eher das passendere Wort. Viel Platz für Gefühle bleibt mir meistens gar nicht.

Der Sommer, obwohl geprägt von sozialen Kontakten, ist für mich immer zu hektisch. «Hot Girl Summer» wurde in den letzten Jahren vermehrt zum Trend und viel mehr als belanglose Flirtereien in den Ferien liegen meistens nicht drin. Kurz und aufregend statt auf immer und ewig. Wieso auch nicht? Spass macht es ja, bis dann von meiner Seite Gefühle ins Spiel kommen. Der «Hot Girl Summer» ist dann ganz schnell nicht mehr so «hot», aber bereit für etwas Festes ist man dann doch nicht.

Meine persönliche Lieblingsjahreszeit ist definitiv der Winter. Ich liebe diese ganz spezielle Ruhe, die nur der Schnee bringen kann. Die Luft wirkt immer so frisch und lüftet mein Kopf ordentlich durch. Es ist die Zeit, in der mir alles am klarsten erscheint. Die freien Minuten sind geprägt von Abfahrten auf der Piste und gemütlichem Beisammensein am Abend. Die besten Feiertage finden ebenfalls im Winter statt und auch wenn für viele Weihnachten und Neujahr mit Stress verbunden sind, so hält diese Zeit für mich noch immer die Magie, die ich als Kind gespürt habe. Alleine fühl ich mich in den Monaten des Winters nie.

Aber eben, im Herbst ist es dann so weit. Bisher jedes Jahr und ich geh stark davon aus, dass sobald die ersten Blätter fallen, es auch im 2020 dasselbe sein wird. Dagegen anzukämpfen lohnt sich nicht und so bereite ich mich so gut darauf vor, wie es mir möglich ist. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Taylor Swift, die mit ihrem neusten Album den perfekten Soundtrack zu meiner melancholischen Selbstmitleidsphase geliefert hat. Meine Decke und das Teesortiment liegen jedenfalls bereit und bis es soweit ist, streiche ich fröhlich jeden Tag im Kalender ab, am dem ich mich noch nicht nach Liebe verzehre.

Sollte es euch auch so gehen, sitzen wir immerhin im gleichen Boot und ich teile gerne meine «Songs to feel lonely to»-Playlist mit euch. Achtet bloss darauf, nicht zu tief im Verlangen zu versinken. Ich werds mir auch zu Herzen nehmen!

Eure Singleböckin

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