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Wenn auch der Montag mal gut ist

Uhr
Jetzt nur nicht den Boden unter den Füssen verlieren.
PIXABAY
Single
Bock

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

Der Spätsommer zeigt sich für mich nochmals von seiner besten Seite – und das Wetter ist auch schön. Ich hatte am vergangenen Wochenende mein erstes Real-Life-Date seit Beginn der ganzen Corona-Distanziererei. Es war toll. Wir haben eine Oben-Ohne-Ausfahrt gemacht (nicht was Ihr denkt – Ihr Ferkel. Wir waren im Cabrio unterwegs) und waren zum Schwimmen an einem grossen See. Kurzum: Es war ein durchaus gelungenes Date und ich befinde mich jetzt in der Dauergrinsphase, die wohl alle kennen, die je ein erfolgreiches und schönes erstes Date hatten.

Kennengelernt haben wir uns – wie könnte es auch anders sein – über Tinder. Gematcht haben wir vor ein paar Wochen, danach hin und her geschrieben und vor zwei Wochen gab es ein erstes Face-Time-Date. Wir haben uns zwei Stunden lang unterhalten. Wir sprachen romantisch über die aktuellen Abstimmungsvorlagen, hatten aber auch sehr nüchterne Themen wie unsere Lieblingsbücher und die Demenz meines Vaters. Es war ein schöner Dialog. Also ehrlicherweise muss ich gestehen, oft war es wohl ein Monolog meinerseits. Ich habe mich immer wieder dabei ertappt, wie ich einfach mein armes Gegenüber mit Wortschwallen und Schwadronierwellen überflutet habe. Wenn ich nervös und/oder aufgeregt und/oder betrunken bin, springt mein Mundwerk in den vollautomatischen Sendemodus. Ich war zwar nüchtern, dafür aber nervös und aufgeregt – also im 2/3-Quassel-Modus – und das, obwohl ich eigentlich, wie jeder andere Typ auch, wüsste, dass man beim ersten Date vor allem zuhören sollte. Irgendwann meinte sie lachend: «Darf ich auch mal was sagen?» Da habe ich mich mental gefacepalmed 🤦‍♂️ – aber auch ein bisschen verliebt in ihre Herzlichkeit – und versucht, mein Mundwerk zu bremsen. Was, und das kann wohl jeder bestätigen, der mich kennt, schwieriger ist, als den einen Ring in die Feuer des Schicksalsbergs zu werfen. Der langen und ausschweifenden Rede kurzer Sinn: Wir haben uns trotz allem am vergangenen Wochenende zu einem nicht-digitalen Date getroffen. Ich muss digital wohl auch das eine oder andere gut gemacht haben.

Unser Date war kurzweilig, lustig, sehr angenehm und verlangt nach einer Wiederholung – zumindest für mich. Sie hat bereits grundsätzlich zugesagt und jetzt befinde ich mich, wie oben erwähnt, in der für Aussenstehende ziemlich mühsamen Post-Date-Phase. Sie zeichnet sich durch debiles Dauergrinsen und übertriebene Fröhlichkeit aus. Arbeitskolleginnen und -kollegen drehen sich augenrollend weg und gehen mir aus dem Weg, um nicht von mir mit Informationen zu meinem Date-Weekend zugetextet zu werden (der geneigte Leser erkennt hier ein Muster: Ich spreche über meine Emotionen).

Sogar der mir sonst so verhasste Montag ist irgendwie erträglicher. Er sieht dann eher so aus:

Worauf man aus meiner Erfahrung in solchen Situationen achten muss: immer schön geschmeidig bleiben und sich von den herumschwirrenden Endorphinen die Sicht auf die Welt nicht allzu sehr vernebeln lassen. Man sollte wohl dem inneren Zwang widerstehen, sich übertrieben oft (also zwei Mal pro Stunde) bei ihr melden zu wollen. Man(n) will sich ja schliesslich jetzt nicht unmöglich machen. Das zweite Date ist noch nicht fixiert. Den ersten Eindruck habe ich gemacht. Klar: «you never get a second chance to make a first impression». Aber: versauen – und auch da spreche ich aus Erfahrung – kann man(n) das noch immer. In diesem Sinne: Keep calm and focus.

Wer weiss, vielleicht liest sie ja auch diese Zeilen und meldet sich demnächst, um das zweite Date zu fixen. Drückt mir die Daumen und passt auf Euch auf.

Euer Singlebock

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