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Liegt das Gute in der Ferne?

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Single
Bock

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

Mein weibliches Pendant hat euch letzte Woche über ihre Erfahrungen mit Tinder berichtet. Ihr Fazit: Thanks, but no thanks. Nun – ich bin schon seit einiger Zeit auf erwähnter Dating-Plattform und swipe fröhlich (mal mehr, mal weniger) vor mich hin. Bisher mit mässigem Erfolg, wie ich an dieser Stelle vor einigen Monaten schon berichtet habe.

Jetzt hat mein Ins-Leere-Swipen aber eine neue Dimension erreicht. Offensichtliche Fake-Accounts hatte ich bis anhin schon in meiner Swipeline (Badumm-Tsch). Das waren bis anhin aber in erster Linie Damen aus Asien, mit dem Teint einer Marmorbüste. Seit einigen Tagen werden mir aber, trotz eines eingestellten Suchradius’ von 29 Kilometern, echt-aussehende Profile von Damen aus Basel, Barçelona oder Berlin angezeigt. Ja, ich hatte im Geographie-Unterricht einen Fensterplatz – ABER, dass die drei oben erwähnten Städte nicht in einem Radius von 29 Kilometern um Chur und Umgebung (auch wenn man «Umgebung» noch so grosszügig interpretiert) liegen, ist auch mir bewusst.

Was ist also mit Tinder passiert? Hat der Algorithmus, so es denn bei Tinder einen gibt, für mich in den Mitleids-Modus geschaltet und zeigt mir jetzt einfach alle Profile in Europa an – ganz nach dem Motto: «Irgendwo muss der Kerl doch einen Match kriegen»? Ich weiss es nicht. Es macht mir aber in kleinbisschen Sorgen, dass eine künstliche Intelligenz Mitleid für mich entwickelt. Andererseits kann das auch zu meinem Vorteil werden, wenn die Maschinen irgendwann tatsächlich die Weltherrschaft übernehmen. Vielleicht gibt es ein digitales Pendant zum Mitleidssex und ich werde in einigen Jahren ein wunderbares Leben führen.

Die Profile sind nicht offensichtlich gefaked und was Tine, Anna, Dorothea und Co. so über sich schreiben, sagt mir zu und die Fotos passen auch. Versteht mich richtig: ich beklage mich nur über die Tatsache, dass die angezeigten Profile so weit weg sind, dass ein spontaner Kaffee nach Feierabend nicht drin liegt, sofern man keinen Privatjet zur Verfügung hat.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass ich mir ein Profil auf einer der vermeintlich seriösen Datingplattformen zulege. Im Moment will ich aber mein Budget etwas schonen und darum muss ich die grosse Liebe weiter auf Gratisplattformen suchen. Auch wenn das heisst, dass ich nach einem Tinder-Match für ein spontanes Date erst 11 Stunden und 40 Minuten fahren müsste (Barçelona), was dann wiederum die Chancen auf einen guten Eindruck meinerseits mindern würde. Wer sieht nach 12 Stunden Nonstop-Autofahrt (ohne Parkplatzsuche) noch frisch aus?

Es ist eine Krux. Ich tindere weiter und freue mich mittlerweile, wenn bei «Entfernung» eine maximal zweistellige Zahl erscheint.

Passt auf euch auf,

Euer Singlebock

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"Passt auf euch auf", schöner Rat, doch wie sollen wir das tun angesicht der Fakes im Internet auf "Singlebörsen", dass sich die Balken biegen, wovor in Medien (Print und TV) schon vor Jahren gewarnt wurde, und das bloss noch schlimmer geworden zu sein scheint seither?
Deshalb mein Vorschlag, dass die Böckin und der Bock hier, selbst die Lösung kreieren und verwirklichen (zumal medial die Somedia das unterstützen könnte): Wie man Gleichgesinnte findet:
1) Freundschaften im weiteren Sinn – weil wir eine sehr vereinsamte/vereinzelte Gesellschaft sind, Stichwort Gesundheit des Einzelnen (Beispiel: Buch Prof. Spitzer, Einsamkeit); und weil Gemeinsamkeiten auch viel im Sozial-/Umweltbereich ermöglichen würde, Stichwort Gesundheit des Planeten) und
2) Freundschaften im engeren Sinn (wie es wohl hier die Schreibenden im Pingpong seit jeher vorführen, jedoch offenbar erfolglos).
Liebe Leute, Erfindungen braucht unsere nicht allzu hohe Hochkultur (gelinde formuliert), und ob die Ideenvarianten dann via Nonfake-Internetseite oder "Velobörsen" vor Ort realisiert werden, Hauptsache die unterschiedlichen Bedürfnisse finden einander (Stiller sucht Stille; Öko sucht Mitgründer https://www.youtube.com/watch?v=Pt_XU4W4DBA#t=5m50s ; Glück statt Geld sucht Nicht08/15 https://www.geo.de/natur/oekologie/2273-rtkl-landwirtschaft-bio-koenigr… ; Hokuspokus sucht Tepperwein https://www.youtube.com/watch?v=rpifl5qNlXw ).
Ich finde, dass wir in unserem Leben viel zu wenige Menschen (der etwa 8 Milliarden) sehen, und sogar wenn wir sie sehen (Beispiel: An einem Tag an der Bahnhofstrasse 700 Menschen) kein Kontakt zustande kommt.
Erschaffen Sie doch das Missing Link für die Isolierten zugunsten Lebensverwirklichungsmöglichkeiten: https://www.youtube.com/watch?v=m5DABiixjXE
Ich hatte dazu mal (vor Jahren) meine Realisierungsanleitung Greenpeace schenken wollen, aber das Sekretariat war zu konventionell (simpel), die Dimension zu kapieren, obwohl es sehr einfach funktioniert.