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«… und, hesch en Fründ?»

Uhr
PIXABAY
Single
Böckin

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

Wenn ich für jedes Mal, wenn ich diesen Satz hören muss, einen Franken kriegen würde, könnte ich mir Ende das Jahres wahrscheinlich bald einmal meinen neuen Laptop gönnen. Wirklich jetzt.

Rund 50 Prozent von den Einnahmen würde ich wohl an Familienfesten zusammenkriegen und davon gibts wenns hochkommt gerade mal fünf pro Jahr. Ihr seht also das Problem.

Auch wenn ich dem Coronavirus absolut nichts Gutes abgewinnen kann und will, muss ich zugeben, dass er mir wenigstens in dieser Beziehung in die Karten spielt. Bisher musste ich mich nur einmal einer Tante erklären und das bei Halbzeit des Jahres. Grund dafür ist unter anderem das Versammlungsverbot, das auch Konfirmationen und Geburtstage betroffen hat.

Das Szenario bei jeglichen Familienfesten ist nämlich fast immer ein anderes. Meinen entfernteren Verwandtenkreis sehe ich nicht allzu oft, aber so wie es bei vielen üblich ist, gibt es doch eine Handvoll Ereignisse im Jahr, an denen wir zusammenkommen.

Wenig interessiert wird dann nach meinem Beruf gefragt, dem allgemeinen Wohlbefinden und dann plötzlich schiesst die Neugier in die Höhe und die gefürchtete Frage: «Und, wia gsehts in dr Liabi us?» Man kann es auf den Gesichtern ablesen, dass berufliche Erfolge ziemlich egal sind, das einzige das zählt ist, ob man auf Wolke sieben schwebt oder nicht.

Ich kann mir ehrlich nicht erklären, wieso das Thema auf so viel Anklang stösst. Noch rätselhafter ist mir, wieso man einen mitleidigen Blick erntet, wenn man dann sein Singleleben anspricht. Fast so, als wäre glücklich sein ohne Mann im Leben unmöglich.

Ich habe es mittlerweile aufgegeben, dagegen zu argumentieren. Mit einem versteinerten Lächeln auf den Lippen lasse ich mir dann immer wieder aufs Neue erklären, dass der Richtige schon noch kommen würde und ich mir nicht so einen Stress machen soll. Dass ich mir deswegen noch nie Stress gemacht habe, spielt keine Rolle. Auch nicht, dass warten mir nichts ausmacht und ich mich im Moment wohler fühle, als in all meinen Beziehungen zusammen.

Weil es jährlich schlimmer wird und die Blicke immer mitleidiger, habe ich mir mittlerweile fünf Ausreden zurechtgelegt, mit denen weitere Fragen garantiert nicht gestellt werden.

5. «Ich steh eigentlich gar nicht auf Typen.»

Pro: Grossartige Reaktionen, zu empfehlen bei Erstgesprächen, es wird ihnen unangenehm und somit Spiess erfolgreich umgedreht.

Contra: Nicht wirklich die Wahrheit, muss nachher meistens erklärt und widerrufen werden, meistens ist es das Nachspiel nicht wert.

4. «Wie siehts denn bei dir und *füge hier Name des Ehepartners ein* aus?»

Pro: Schlag sie mit ihren eigenen Waffen!, meist nämlich auch bei ihnen ein wunder Punkt.

Contra: Sich ewig ziehendes Gemecker über die Eheprobleme.

3. «Hätte ich einen Freund, müsste man sich bei solchen Gesprächen ja auf wichtigere Themen beziehen und das möchte ich tunlichst vermeiden.»

Pro: Singleböckin: Eins, Gesprächspartner: Null.

Contra: Sarkasmus kommt leider nicht immer so gut an.

2. «Ja, doch, ich bin in einer Beziehung. Er weiss nur noch nichts von meiner Existenz, aber ich arbeite intensiv daran.»

Pro: Lockt meistens ein Lächeln hervor, oftmals gepaart mit leichter Verwirrung, was wiederum dazu führt, dass das Thema abgehakt wird.

Contra: wird je älter man wird beängstigender….

1. «Männer sind eh reine Zeitverschwendung.»

Pro: Stösst auf absolutes Verständnis bei 95% der Frauen, man kriegt ein Lachen geschenkt.

Contra: bisher keine erlebt!

 

Erfolg ist damit nicht garantiert und grossartig Sympathien wird man wohl auch nicht gewinnen. Mittlerweile bin ich es aber einfach leid, über meine nicht existierenden Beziehungen zu sinnieren und die immer gleichen Konversationen zu halten. Sich dabei ein kleines Spässchen zu erlauben ist doch nur fair.

Falls ihr weitere Tipps habt, um diese Art Gespräche elegant zu umschiffen, lasst es mich wissen. Die nächsten Familienfeste stehen nämlich bereits an und ich brauche neues Material.

In diesem Sinne: Lasst euch nicht ärgern und liebt euch selbst ein bisschen!

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