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Kommunikationsprobleme und Smileys

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BILDMONTAGE SUEDOSTSCHWEIZ.CH / BILDER PIXABAY
Single
Böckin

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

Kennt ihr das? Ihr sagt oder schreibt etwas und das Gegenüber versteht die Nachricht komplett falsch. Ihr könnt Euch beim besten Willen nicht erklären, was Ihr falsch formuliert haben sollt und verbringt in der Folge mehr Zeit mit der Erklärung als mit einem Gespräch? Missverständnisse kommen zwar auch unter Frauen vor, aber mit Männern ist die Verständigung teils komplexer als das Verfassen einer Masterthesis. 

In Zeiten von Emoticons ist die Verständigung gar noch schwieriger geworden. Oder wie interpretiert Ihr ein Kuss-Smiley inklusive Herzchen? Na eben, da haben wir den Schlamassel. Kommt das Smiley von einem guten Freund, dann tut ihr es als ironisch oder einfach herzlich ab. Kommt es vom kürzlich kennengelernten Typen oder dem Mann, den man schon so lange anhimmelt, dann ist es ganz sicher eine Liebeserklärung. 

Kürzlich zeigte mir eine Kollegin eine Unterhaltung mit einem Tinder-Date und war total überfordert. Der Mann hatte mehr Emoticons als Wörter benutzt und versuchte man diese in guter alter Analyse-Manier zu durchschauen, dann war auch ich kurz überzeugt, dass der Mann sie vor dem ersten Treffen bereits heiraten wollte. Auch andere Freundinnen tun sich teils schwer, wenn es um die Deutung von männlichen Nachrichten geht. «Aber er hät doch das und das Smiley hina anaghänkt ...».

Ja, dass hat der Typ tatsächlich gemacht. Aber sind wir ehrlich, vermutlich wollte der Typ einfach Zeit sparen. Auch im Jahr 2019 hab ich kaum einen Mann getroffen, der einem unglaublich lange Nachrichten schickt. Sagte man früher noch, dass Männer nicht so gerne über ihre Gefühle sprechen und bei diesem Thema eher wortkarg sind, hat sich dies in Zeiten elektronischer Kommunikation wohl nicht verändert. War es früher ein «Ich weiss nicht», ein «Ja» oder ein «Nein», sind es heute «Daumen hoch», «Smiley mit Kussmund» oder «Errötendes Smiley». 

Aber trotzdem würde ich gerne von dem Mann wissen, dem ich kürzlich meine Gefühle gestand, was das «Smiley mit schwebenden Herzen um den Kopf» zu bedeuten hatte. War das die Kurzform von «Geht mir auch so» oder doch eher «Ich finde dich ja auch nett, aber mehr auch nicht und weil ich dies nicht direkt sagen möchte, dachte ich, dass dieses Smiley doch ganz nett wäre».

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