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Generation unverbindlich – oder weshalb ich es versaut habe

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PIXABAY
Single
Böckin

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

«Noch nie hatten wir so viele Optionen wie heute. Doch eines scheint der Mensch dabei verlernt zu haben: sich festzulegen.» Mit diesen Zeilen begann ein Artikel, welchen ich kürzlich in die Finger bekam. Die Schweizer Psychologin Gabrielle Rüttschi erklärte darin, dass wir heutzutage nur noch an unsere eigene emotionale Bedürfnisbefriedigung denken würden. Wir würden Verabredungen vor uns herschieben, weil der Tag wieder einmal so anstrengend war und würden gleichzeitig keinen Mut haben dem Gegenüber zu sagen ‹Ich habe keine Lust›. Meine Generation wartet offenbar stets auf die nächst bessere Gelegenheit.

Stimmen die Worte Frau Rüttschi dürfte dieser Blog wohl noch lange Bestand haben und ob es mir gefällt oder nicht, sie könnte mit ihren Worten recht haben. War es früher noch gang und gäbe, dass man für den Partner ans andere Ende der Welt zog, beobachte ich immer mehr Fernbeziehungen und Trennungen. Schliesslich möchte man seine eigenen Bedürfnisse nicht zurückstecken. Auch ich bin da keine Ausnahme. Ich packte meinem Ex-Freund eigenhändig die Kisten damit er seinen neuen Traumjob antreten konnte. Ich wurde gespannt nach meinen Umzugsplänen gefragt und winkte stets lachend ab. Schliesslich hatte ich mein eigenes Leben. Meine eigenen Ziele und meine eigene Karriere. Das Unvermeidliche trat ein - die Trennung. 

Rund ein Jahr später genoss ich das Single-Leben in vollen Zügen. Ich traf mich sporadisch mit einem netten Typen, der mir leicht den Kopf verdreht hatte und führte eine sogenannte Freundschaftplus. An der Fasnacht lag ich dann in den Armen eines Anderen charmanten Herrn, den ich auch bereits etwas länger kannte und vermisste gleichzeitig den tollen Typen, welchen ich erst wenige Wochen zuvor zum ersten Mal küssen durfte. Ja, ich genoss das Single-Leben. Ich genoss es mich nicht festlegen zu müssen. Schliesslich passte es doch wunderbar. Keiner der Herren stellte Forderungen - oder zumindest nicht laut. Ein halbes Jahr ging dieses Leben gut. Ich arbeitete, traf mich immer häufiger mit Letzterem und begann mich in ihn zu verlieben. 

Eines Morgens wachte ich in seinen Armen auf und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ja, jetzt wird es kitschig und klebrig. Ich wusste, ich wollte diesen Mann nie mehr gehen lassen. Was ich tat? Ich sagte noch nichts. Wir hatten uns für den nächsten Abend verabredet. Ich - ja, in mir steckt eine kleine Romantikerin - wollte ihm bei einem Glas Wein auf seinem Sofa meine Liebe gestehen. Er hatte schliesslich bereits mehrfach angedeutet, dass er sich auch etwas mehr vorstellen konnte. Was ich an diesem Morgen noch nicht wusste: Mein ‹Ich möchte mich nicht festlegen› hatte Konsequenzen. 

Am nächsten Abend trafen wir uns nicht wie vorgesehen. Er schrieb mir am Nachmittag eine Nachricht, dass es ihm schrecklich leid täte, aber er so nicht mehr weiterfahren könne. Seine Gefühle würden keine lockere Beziehung mehr mitmachen. Als ich ihm einige Tage später erklärte, dass ich an diesem Abend gerne den nächsten Schritt gewagt hätte, endete das Gespräch nicht in einem Happy End. Er schaute mich nur verständnislos an und konnte nicht verstehen, weshalb ich es ihm nicht direkt gesagt hatte. 

Und nun? Ein Jahr später zeigt sich die Situation noch verfahrener. Wer denkt, dass wir getrennte Wege gegangen sind, der irrt. Zusammen sind wir auch nicht. Wir können uns bis heute nicht festlegen - weder auf eine Beziehung noch für den Kontaktabbruch. Und deshalb lasst Euch gesagt sein: Optionen zu haben ist ein Privileg, aber wenn Euch der perfekte Partner über den Weg läuft, dann haltet ihn fest.