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Sex unter Freunden

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PIXABAY
Single
Böckin

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

Genau so lautete der Titel eines kürzlich erschienenen Artikels in einer Schweizer Sonntagszeitung. Darin ging es – wie wohl nur wenige überraschen dürfte – um Sex unter Freunden. Eine Gruppe 20-Jähriger erklärte darin, weshalb sie anstelle einer Beziehung lieber Sex mit einem Kollegen oder einer Kollegin hätten. So zeichneten sie das perfekte Bild von Sex auf Augenhöhe, Respekt und Vertrauen. Ein Experte komplementierte den Artikel und betonte, dass die Jungen in sexueller Hinsicht entspannter seien als Generationen vor ihnen. Und dennoch – eine Mehrheit wünscht sich einen fixen Freund.

Ich las den Artikel gespannt. Das Konzept Sex unter Freunden pflege ich selbst bereits seit Jahren. Es macht alles – ok, fast alles – etwas einfacher. Und doch birgt das Konzept auch seine Gefahren. 

Oftmals werde ich – von Männlein und Weiblein gleichermassen – auf die Nichtmachbarkeit von Freundschaftplus angesprochen. Zwar betone ich gerne, dass sie sich irren würden, aber dennoch komme ich ins Grübeln. Vor etwas längerer Zeit hatte ich eine perfekte Freundschaftplus. Es war unkompliziert, keiner verliebte sich und dennoch war er wie ein Freund für ein paar wenige Stunden pro Woche. Aber dann gibt es diese anderen Fälle. Fälle, in denen es zwar locker ist, aber man doch nie genau weiss, was im anderen vorgeht. In denen man sich fragt, ob man jemanden verletzt und es einfach nicht merkt, weil diese Person mehr Gefühle für einen hat. Oder man sich selbst fragt, ob man sich nicht doch etwas verliebt hat. 

Und doch finde ich es als Single in einem Kanton wie Graubünden angenehmer, sich auf Freunde einzulassen, als wildfremde Männer mit nach Hause zu nehmen. Denn seien wir ehrlich: In diesem Kanton kennt doch irgendwie jeder jeden, und auch wenn die jüngere Generation freier sein soll – es ist doch immer noch Tatsache, dass Männer nach dem erfolgreichen Abschleppen der x-ten Frau ein High five abklatschen, während Frauen einen gewissen Stempel aufgedrückt bekommen. Bin gespannt, wann der nächste Artikel in einer Sonntagszeitung dieses Klischee wiederlegt.