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Kreditkarten- sind die neuen Handy-Nummern

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Betrug, Kreditkarten, Kreditkarte, Internet, Strafgericht
Single
Böckin

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

Nach Wochen der Abstinenz haue ich wieder einmal in die Tasten. Ich habe in der Zwischenzeit weder die grosse Liebe fürs Leben gefunden, noch vergnüge ich mich auf der Dating-App Tinder. Ich war schlicht und einfach mit anderem als Männern beschäftigt. Das hat sich vergangenes Wochenende aber schlagartig verändert.

Tatort: eine Bar ausserhalb des Kantons. Anlass: eine Geburtstagsparty einer Freundin. Mein Ziel: Mit meinen Kopfschmerzen dennoch eine gute Figur abliefern und den Abend möglichst überstehen. Meine Ausbeute: Migräne, eine Handy- und eine Kreditkartennummer!

Ja, ihr lest richtig. Ich habe es doch tatsächlich geschafft, eine Kreditkartennummer abzustauben. In Zeiten von Datenschutz-Panik eine beachtliche Leistung, wie ich finde. Aber wie kam es dazu?

Wie bereits erwähnt, plagten mich an diesem Abend Kopfschmerzen. Nach einem Schluck Bowle musste ich ruckzuck auf Wasser wechseln. In einem unbeobachteten Moment stellte sich ein Typ zwischen mich und das lebenswichtige Wasser. Als ich ihn höflich nach meinem Glas fragte, erwiderte er: «Klar, ääääh nai. Wasser anara Geburtstagsparty – goht jo gär nit!» Meine Kopfschmerzen liess er nicht als Ausrede gelten, schliesslich erhole er sich gerade mit einer Flasche Bier von seinem Kater. Ich lächelte etwas gequält und erwiderte, dass ich es gerne mit Bier versuchen würde, ihn aber bei Misserfolg wohl belangen müsste. Er willigte sofort ein und ich schob nach: «Ok, denn bruchi jetzt eigentli nur no dini Kreditkartanummera.»

Der Herr schien etwas überrumpelt. Es folgte eine dreistündige Unterhaltung über alles, was das Leben so hergibt. Kitschig nicht? Kurz bevor ich wieder in heimische Gefilde aufbrechen wollte, erinnerte mich der charmante Unterländer (ja, die gibt es doch tatsächlich) daran, dass ich noch nicht im Besitz seiner Kreditkartennummer sei.

Natürlich wollte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Wäre sein – nicht minder charmanter – Kollege gewesen, müsste ich nun aber wohl Sherlock spielen. Denn ich bekam Name und Kreditkartennummer, aber er vergass doch tatsächlich, seine Handynummer in mein Smartphone zu tippen. «Hey x, wettisch nit no dini Natelnummera für Rückfroga igäh?», half mir Kollege von x aus der Patsche. Und ja, ich hätte da noch die eine oder andere Rückfrage …

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