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Single-Treffpunkt Familienhotel

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PIXABAY
Single
Böckin

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

Waaaas, der Titel ist ein Widerspruch. Nein. Und ich sage Euch auch, weshalb nicht. Das kam so: Vor geraumer Zeit war ich mit meinem Mann und meinen Kindern in einem Familienhotel. Spielen, schwimmen, basteln und als Erwachsener auch mal die Seele baumeln lassen und ein gutes Glas Wein geniessen. Das alles war mir ein verlängertes Wochenende lang vergönnt.

Auf einen langen Tag folgte der Abend. Beim Abendessen sah man dann im Speisesaal die Konstellationen sehr genau. Während an den meisten Tischen ein Elternpaar und mehr oder weniger Kinder auf Vorspeise, Hauptgang und Dessert warteten, gab es auch Tische, an denen «nur» ein Elternteil sass. Gezwungenermassen? Gewollt? Ich wusste es nicht. Und es war eigentlich auch egal.

Jedenfalls ging es nach dem Essen noch auf einen Schlummerbecher an die Hotelbar. Und da waren dann die vermeintlichen Singles mehr oder weniger in Überzahl. «Ich bin frisch geschieden.» Oder: «Ich lebe getrennt, aber mein Mann fand, so ein Wochenende würde mir und den Kindern guttun.» Dies nur zwei «Begündungen», die es an der Theke bei einem Drink zu hören gab.

Jedenfalls gab sich Beatrix vom Nachbartisch im Speisesaal recht offen, um nicht zu sagen aufgeknöpft, als ihr Sohnemann längst im Piratenzimmer in der Heia lag. Und Nicola, so schien es an der Bar, liess sich nicht zweimal bitten. Ich zog mich mit meinem Mann zurück und beim Einschlafen kam mir kurz der Gedanke, ob ein verlängertes Wochenende mit den Kindern im Familienhotel wirklich etwas mit einem Verkupplungsabend in einer Ausgangsbar gemein haben kann. Und ich kam zum Schluss: Unter gewissen Umständen schon.

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