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Weihnachten als Single

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Single
Böckin

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

Ich kann mich gerade nicht entscheiden, ob es an Weihnachten besser ist Single zu sein oder nicht. Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass es sowohl gute, wie auch weniger gute Erinnerungen an Weihnachtstage mit einem Partner gibt.

Einst – es ist doch schon über zehn Jahre her – schenkte mein damaliger Freund seiner Schwester jene Handtasche, welche ich seit Wochen mit glänzenden Augen angeschaut hatte. Ich bekam – ja, was bekam eigentlich ich? Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, nur an meine grenzenlose Enttäuschung darüber, dass seine Schwester fortan mit meiner Traumhandtasche durch die Gegend lief. Ach ja, dafür gab es gar eine Erklärung, welche mit einigen Jahren Abstand irgendwie süss ist. Er habe die Tasche seiner Schwester geschenkt, weil er dachte, dass wenn sie mir so gut gefalle, sie bestimmt auch ihr gefallen würde. Nur um dies hier zu klären: Der Taschen-Gate hat nicht zu unserer Trennung geführt.

Anders die Weihnachten mit meinem letzten Freund, dem Nachfolger vom Taschen-Gate-Mann. Stets lagen bei ihm die «richtigen» Geschenke unter dem Baum und doch machte man sich durch die Feiertage hindurch ständig einen Kopf. Schliesslich wollte man vor den Eltern und der gesamten Verwandtschaft einen guten Eindruck hinterlassen. Die Schwägerin in Spe hatte bereits den langersehnten Enkel zur Welt gebracht, war charmant und eine unfassbar gute Köchin. Wie sollte man da nur selbst glänzen?

In diesem Jahr feierte ich nur mit meiner Familie. Kein Freund, keine Affäre, nix … Das Geschenkedesaster blieb damit aus, keine fremden Menschen, welchen man gefallen möchte und doch fehlte etwas. Nicht etwa der Schnee. Diesen findet man immerhin innert weniger Fahrtminuten in den umliegenden Bündner Skigebieten. Wenn aber die eigenen Brüder verliebt unter dem Christbaum sitzen, dann fragt man sich, ob man nicht doch gerne das falsche Geschenk unter dem Baum liegen haben würde.