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Tauschbörsen – für Bildli und Partner

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Single
Bock

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

Die Problematik: Die Jungmannschaft bekommt das Panini-Album für die Fussball-Weltmeisterschaft nicht voll. Der Idealfall: Man geht mit einem vollen Buch und einem neuen Freund nach Hause.

Und das könnte sich so abspielen: Man hat Päckli um Päckli gekauft, am besten gleich eine ganze Box. Um das Sammelalbum aber voll zu bekommen, müssen die Kinder die Panini-Bildli tauschen. Wappen, Mannschaftsbilder und beliebte Spieler tauscht man gegen zwei Bilder, den Rest 1 zu 1.

Tauschen kann man inzwischen auch im Internet. Beliebter sind aber nach wie vor der Schulplatz, das Einkaufszentrum oder Tauschbörsen. Und an einer solchen gings vergangene Woche ab. Am zahlreichsten vertreten waren dabei – wen wunderts – Bildli. Am zweitmeisten Eltern. Und am drittmeisten Kinder. Richtig, am zweimeisten hatte es Elternteile. Viele Mütter, noch mehr Väter. Und diese tauschten am eifrigsten. Die Kinder sassen teils interessiert, teils teilnahmslos daneben.

Nach einem zaghaften «Darf ich mal Eure Liste zum Abgleichen anschauen?» kam man rasch ins Gespräch. «Ich suche noch die 54 und die 603». «Moment, ich schaue mal. Die 54 habe ich nicht, dafür die 603». «Cool, jetzt fehlt nur noch ein Bild zum vollständigen Album».

«Ich suche einen neuen Papi für Matthias». Was? Habe ich das jetzt laut gesagt oder nur gedacht? Falls nur gedacht, sag ich es jetzt einfach hier und zu Euch: Ganz und gar nicht gepasst hätte ein solcher Satz an der Tauschbörse auf jeden Fall nicht. Klar, vereinzelt verdutzte Blicke hätte diese Aussage garantiert ergeben. Aber auf ein kurzes Einstiegsgespräch folgte die Durchsicht von Listen mit fehlenden Bildchen und der mehr oder weniger hohen Beige an doppelten Exemplaren. Und schon lief das Gespräch mit Papi oder Mami eines jungen Sammlers oder einer jungen Sammlerin.

Es folgten die ersten Tauschgeschäfte. Warum also nicht die Kinder weiter tauschen lassen und zusammen einen Kaffee trinken gehen? Die Organisatoren hätte es auf jeden Fall gefreut. Denn bei ihnen stand wohl mehr der Umsatz als das Glücklichmachen der Kinder im Vordergrund. Und was auf den Kaffee folgen hätte können, überlassen wir mal Eurer Fantasie.

Auf jeden Fall könnte das Sammeln von Panini-Bildchen auch für unglückliche Eltern seinen Reiz haben. Und wer kann schon behaupten, dass Yann Sommer und Thomas Müller beim ersten Date quasi Pate gestanden hatten?

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