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Als sie nackt zu mir ins Bad kam um zu...

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Single
Bock

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

Ich habe Euch doch vor kurzem versprochen, Euch vom längsten Vorspiel meines Lebens (13 Jahre!) zu erzählen. Leider muss ich Euch in dieser Hinsicht noch etwas zappeln lassen, weil mir vor ein paar Wochen etwas passiert ist, das ich mit der Welt – oder zumindest mit der Südostschweiz – teilen muss. Und zwar sofort: Ich habe mit einer Frau geschlafen. Naja, nichts Besonderes, denkt Ihr jetzt wohl... Oh, wie Ihr Euch irrt! Ich hatte mit dieser Frau eines der wohl ungewöhnlichsten Erlebnisse meines bisherigen Lebens.

Also gleich vorweg: Am Sex gab es nichts auszusetzen. Auch nicht an der Frau. Sie ist wunderschön, äusserst sympathisch, humorvoll und hat einen wirklich, wirklich tollen Körper! An und für sich ist sie der menschgewordene Lottosechser inklusive Cremeschnitte. Doch die werte Dame hat unmittelbar nach dem Sex etwas gemacht, was mich... Aber von vorn.

Über den Beischlaf werde ich mich jetzt nicht in Details verlieren. Es reicht an dieser Stelle völlig zu sagen, dass es schlicht und einfach toll war. Wie jedes Mal mit dieser Frau. Sie weiss was sie tut, sie weiss wer sie ist. Sie ist per se die perfekte Liebhaberin. WENN sie nicht letztens nach dem Sex ins Bad gegangen wäre, um – Achtung, jetzt kommts: ZU PUTZEN!

Ja, die Frau kam, als ich nach dem Sex unter der Dusche stand, wirklich ins Badezimmer, wie Gott sie geschaffen hat (und der Mann hat gute Arbeit geleistet – abgesehen von der Bumsfrisur. Die ging aber definitiv nicht auf sein Konto...) und begann, die Armaturen im Badezimmer zu putzen.

Ich meine, was für Signale vermittelt so ein Verhalten dem Gegenüber? Wollte Sie mir damit durch die Blume sagen, was für ein Waschlappen ich bin? Oder war der Sex so schrecklich, dass sie sich so schnell wie möglich mit etwas sehr Asexuellem ablenken musste? Oder pflegt die gute Frau einen Fetisch, der irgendetwas mit Tüchern und Putzmittel zu tun hat? Muss ich mir eine Glatze rasieren und mich Meister P(r)opper nennen? Diese und unzählige weitere Fragen schossen mir in Bruchteilen einer Sekunde durch den Kopf. Während ich stillschweigend und kopfschüttelnd unter der Dusche stand und das warme Wasser meinen Körper hinunterlief, sah ich durch die vom Dampf beschlagene Scheibe der Duschkabine ihre wunderschön sinnliche Silhouette, die einfach weiter schrubbte. 

Und gerade, als mein Hirn begann, mir noch schlimmere Szenarien zu basteln und ich Pläne für eine lautlose Flucht aus dem Bad in ein anderes Land schmiedete, sagte sie die erlösenden Worte: «Oh mein Gott, i realisiara gad, dass i am Putza bin. Nocham Sex!»

Was folgte, waren Minuten geprägt von herzhaftem Lachen über diese unglaublich skurrile Situation. Ja, sie hat selbst bemerkt, dass Putzen zwar wichtig aber irgendwie doch nicht in jeder Situation angebracht ist. Mir fiel ein Stein vom Herzen, weil ich in diesem Moment wusste: Die Frau ist perfekt – weil sie eben doch irgendwo auch einen kleinen Schaden hat.

Seither muss ich jedes Mal in mich hinein lächeln, wenn ich im Laden am Regal mit den Haushalts- und Putz-Utensilien stehe. Und dies wiederum könnte sämtliche Leute, die an mir vorbeigehen, zum stillschweigenden Kopfschütteln bewegen und ihnen unweigerlich komische Fragen durch den Kopf jagen. Ihr seht, der Kreis schliesst sich wohl...

 

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