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Es hat mich sehr gefreut

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Wenn sie nicht bei der Arbeit war, zog es Valentina Dirmaier auf die Bündner Pisten.
Wenn sie nicht bei der Arbeit war, zog es Valentina Dirmaier auf die Bündner Pisten.
VALENTINA DIRMAIER
Südostschweiz

...beschreiben Journalistinnen und Journalisten ihren Alltag und den - manchmal beschwerlich - langen Weg von einer Idee zu einem Text, einem Beitrag oder Foto.

Valentina Dirmaier über ihr Gastspiel in der Schweiz

Ein Monat ist vergangen seit meiner Ankunft im Alpenstädtchen Chur. Bei meiner Anfahrt hatte ich damals mehrere Mitreisende: Wintersturm «Burglind» – der damals einem eurer geliebten Mammutbäume die Krone abriss – und jede Menge Vorurteile: Die Schweizer sind überpünktlich. Die Schweizer sprechen unverständlich. Die Schweizer sind langsam. Also, was macht eine Österreicherin – deren Wortschatz mit «flexibel» endet und in welchem «minutiös» nicht vorkommt – hier eigentlich? Ich bin ins schöne Bündnerland gekommen, um meine Neugierde zu stillen.
Es gab Startschwierigkeiten. Die Sprache machte mir zu schaffen: Denn ihr «schafft», wir arbeiten; ihr «läuft», wir gehen; ihr seid mit dem «Velo» unterwegs, wir mit dem Fahrrad. Eine Auflistung, die nach Belieben fortgesetzt werden kann und schliesslich mit einer Anekdote zum Wort «hura» endet. Dieses Wort hat meine Vokabularwelt beinahe so durcheinandergebracht wie die Mischkulanz aus wohlschmeckenden, aber sehr deftigen Maluns, Capuns und Pizokels meinen Magen.
Mittlerweile habe ich alles verdaut – mit zwei Ausnahmen: euer Bündner Lied. «Du bisch dr geilscht Kanton vur Welt» ist ein Fall für die Sprachpolizei oder Legastheniker. Und eure Parkgebühren. Die sind, mal abgesehen von eurer Wahnsinns-Preispolitik, ein blanker Horror für die Wenigverdiener aus dem Osten. Dann lieber den Zug nehmen. Halt! Der Fahrkartenautomat könnte die ausgedünnte Geldbörse mit Stutz und Leder auffressen.
Um an dieser Stelle nicht dem Bild des ständig nörgelnden Österreichers (bitte keine weibliche Form, wir sind mit unseren Töchtern in der Bundeshymne ohnehin geplagt) gerecht zu werden, will ich zum Loblied anstimmen. Ihr seid ein freundliches Volk – mal ausgenommen von den grossen eidgenössischen Touristengebieten, die von den Nachbarn den Umgang mit Gästen lernen könnten. Eure Landschaft ist schöner als jeder Urlaubskatalog. Und euer Arbeitswille ist enorm, beneidenswert und ansteckend.
Das alles hat mir einen sehr intensiven Monat bei euch beschert. Nicht nur im Glashaus in der Sommeraustrasse, sondern auch draussen im Bündnerland. Damit die Kolumne nicht zu einem Schmachtfetzen ausartet, halte ich es mit dem Sager des einstigen Kaisers von Österreich, Franz Joseph dem I., kurz: Es war sehr schön (bei euch), es hat mich sehr gefreut.