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Was machen Journalisten mit einem Dementi vom Dementi?
Reto
Furter

In loser Folge berichten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Medienfamilie Südostschweiz aus ihrem journalistischen Alltag. Willkommen in unserem Glashaus!

Zitat: «Das ist meine letzte Legislatur. Das ist für mich klar.» – Das sagte eine Bündner Nationalrätin am Donnerstag vor einer Woche, nachmittags um Viertel vor drei, am Telefon. Sie war auf dem Weg zum Filmfestival Locarno. Grund für die Anfrage der «Südostschweiz» war die Ankündigung von SP-Grossrat Jon Pult, sich aus der kantonalen Politik zurückziehen zu wollen und alles auf die Karte Bern, also Nationalrat, zu setzen. Uns interessierte, ob es bei den nächsten Parlamentswahlen 2019 zu einem SP-Duell kommen würde.

Am Tag darauf titelte die «Südostschweiz», die Politikerin trete 2019 zurück. Aus dem Text ging klar hervor, dass sie bei den Erneuerungswahlen nicht mehr antreten will. Von einem vorzeitigen Rücktritt war nicht die Rede. Gegenüber Nachrichtenagenturen bestätigte sie danach ihren Rückzug aus der Politik. Eine gute Geschichte für unsere Leserinnen und Leser – unsere Konkurrenz beschränkte sich darauf, die Ankündigung von Jon Pult abzudrucken.

Warum ich das schreibe? Nun, die Nationalrätin beklagte sich später bei einer «Südostschweiz»-Redaktorin, sie habe das doch gar nicht gesagt – und beendete den Anruf mitten im Gespräch. Am Mittwoch dann trat sie auch von ihrem Dementi wieder zurück und behauptete jetzt, das Vorgefallene sei gar nie vorgefallen.

Davon kann man vieles halten. Man kann Politikern böswillig unterstellen, sie lügten wie gedruckt, oder man kann den Medien böswillig unterstellen, sie schrieben sowieso, was ihnen gefalle. Stimmen tut das nicht. Das Recht am eigenen Wort besitzen nämlich nicht die Medien, sondern jene, die Auskunft geben. Diese haben die Möglichkeit, ihre Aussagen zu präzisieren, lesbarer zu machen. Und genau das wiederum ist unsere Pflicht: Aussagen lesbarer zu machen.

Zitat: «Wir haben nach wie vor im Konzept ist drin und im Dossier, das wir eingereicht haben, erste Priorität mit dem Hauptpartner Zürich, mit der Stadt Zürich, und dort haben wir nach wie vor eine Antwort vom Zürcher Stadtrat, datiert vom letzten August, in der steht, er sei offen, mit uns zu diskutieren über die Zurverfügungstellung der verschiedenen Anlagen und werde nach dem Entscheid des Bündner Stimmvolks dann bereit sein, in diese Verhandlungen zu treten. Nach wie vor ist das der Stand und die Hauptvariante.» – Das sagte ebenfalls ein Bündner Politiker in einem Interview mit der «Südostschweiz». Geschrieben haben wir dann etwas anderes. Dieser Politiker hat sich allerdings nie beklagt.

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