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Das Som­mer­loch le­be hoch!

Uhr
UNSPLASH
Olivier
Berger

...beschreiben Journalistinnen und Journalisten ihren Alltag und den - manchmal beschwerlich - langen Weg von einer Idee zu einem Text, einem Beitrag oder Foto.

Man stellt es sich als Aussenstehender ja sehr gemütlich vor, das Sommerloch. Weil nichts Aktuelles passiert, arbeiten die Redaktionen auf Sparflamme: ein bisschen Schreiben über die Wassertemperatur in den Badis, ein wenig Recherchieren zur aktuellen Sommermode. Der Rest: Glacéschlecken am Schreibtisch und Grillieren hinterm Medienhaus. Um 17 Uhr gehts zum Apéro – spätestens.

Leider sieht die Realität anders aus. Medienmachen ist einfach, wenn am gleichen Tag die Regierung die Steuern um 20 Prozent senkt, aus Protest dagegen zwei Mitglieder der Exekutive zurücktreten und eine Partei die Kandidatur von fünf der Ihren bei den nächsten Wahlen ankündigt. An solchen Tagen füllen sich Spalte, Äther, Bildschirm und Internet von alleine. Wenns an der Newsfront aussieht wie auf der Hauptstrasse im Filmklassiker «High Noon», wirds aber schwierig. Nur weil weniger los ist, werden Ihre Erwartungen an uns ja nicht kleiner. Und die Zeitungsseiten, die es zu füllen gilt, nicht weniger. Für den gleichen Ertrag müssen wir dann einen viel grösseren Aufwand betreiben. Nichts ist also mit der Bratwurst hinter dem Medienhaus und dem Feierabendbier am mittleren Nachmittag.

Immerhin: Seit vergangenem Jahr kommt in den Redaktionsstuben doch noch so etwas wie Sommerstimmung auf: den «Südostschweiz»-Wander- tagen sei Dank. Zwei Wochen lang darf ein Mitglied der Redaktion einen Tag lang mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wandernd die Region erkunden. Am Schluss jeder Etappe gibt es erst noch einen Apéro – mit Glace.

Tönt alles nach einer Mischung aus Ferienlager und Sommerfest? Das ist es dann doch nicht ganz. Mitten im Apéro muss der Zeitungswanderer nämlich aufbrechen, um noch einen Artikel zu schreiben. Immerhin soll der schon im Internet stehen, wenn Sie am Abend zu Hause eintreffen. Und dann ists auch nichts mit zwei Wochen Dauerwandern: Daheim auf der Redaktion füllt sich das Blatt ja auch nicht von selbst.

Trotzdem sind die Wandertage ein Gewinn – ganz besonders wegen der vielen Begegnungen mit den Leserinnen und Lesern. Deshalb und auch ohne Glace, Grill und frühem Feierabend: Es lebe hoch, das Sommerloch.