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Brot, Peitsche – und ein Gläschen

Uhr
MARCO HARTMANN
Reto
Furter

In loser Folge berichten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Medienfamilie Südostschweiz aus ihrem journalistischen Alltag. Willkommen in unserem Glashaus!

Der amerikanische Präsident Donald Trump hat es vermeintlich ja vorgemacht: Unliebsame Medien werden an die eigentlich regelmässigen Medientreffen nicht mehr zugelassen. Gute, aus Sicht der Regierung wahre Informationen soll nur noch erhalten, wer gefügig ist. Missliebige Schreiberinnen und Schreiber – bleiben aussen vor.

Als die neue Praxis bekannt wurde, war der kollektive Aufschrei in der Medienbranche gross. Zu Recht. Es ist nicht Aufgabe der Medien, gefügig über jene Themen zu schreiben, welche der Politik dienlich sind. Es ist nicht Aufgabe der Medien, willfährig zu schweigen und devot zu hofieren. Es ist auch nicht Aufgabe der Medien, Firmen lobend zu erwähnen, die Inserate schalten, und im Umkehrschluss jene zu kritisieren, die das nicht tun. 
Das gilt in Amerika, das gilt in Graubünden. Medien haben mit dem neuen Öffentlichkeitsgesetz nicht nur vermehrt die rechtlich verbriefte Möglichkeit, Einsicht in Verwaltungsangelegenheiten zu erhalten, sondern sie haben in gewissen Fällen, etwa bei Gerichtsverhandlungen, auch das Privileg, den Verhandlungen beizuwohnen und unter Wahrung der Persönlichkeitsrechte darüber zu berichten. Medien sind die vierte Gewalt im Staat, nebst dem Parlament, der Regierung und der Justiz. Sie sind die Kontrollinstanz im Staat und schauen hin.

Im Gegensatz zu Donald Trump verhält sich – auch das darf gesagt sein – die Bündner Regierung sehr oft vorbildlich. Sie informiert jeden Donnerstag über Entscheide, die sie am Dienstag gefällt hat. Und sie lädt die Bündner Medien Monat für Monat zum traditionellen Medientreffen ein. Dort stellt sich die ganze Regierung Vertretern der Redaktionen, die sie mit Fragen löchern dürfen und meist Antworten erhalten.
Ganz ohne Kontrollmechanismen geht allerdings auch die Regierung nicht vor. Den Medien wird – Monat für Monat – jeweils auch ein feines Gläschen Weisswein offeriert (sie selbst trinkt nicht …). – Gefügige Bündner Journalisten also, die sich mit Alkohol abspeisen lassen? – Im Gegenteil! Alle bleiben beim Bündner Blöterliwasser, kaum jemand lässt sich berauschen vom Wein. Abgesehen vom einen Berufskollegen.

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