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Schöne Aussichten

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BILD ZVG
Hans Peter
Danuser

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind im Engadin zu Hause und zeigen uns ihren Blickwinkel. Was bewegt Land und Leute? Wo ist das Engadin stark und wo hinkt es einzelnen Mitbewerbern hinterher? Und was geschieht auf politischer Bühne? Der Blog «Engadin direkt» berichtet persönlich und authentisch.

Letzten November kam es bei meinem Geschäftseinsätzen infolge eines Todesfalls in der Familie zu planerischen Turbulenzen. Schlussendlich war ich fünf Tage unterwegs zwischen Domat Ems und Bern – in vier verschiedenen Hotels. Zwei davon waren infolge der kurzfristigen Umstellungen neu, beides glückliche Entdeckungen, insbesondere ihrer Aussicht wegen.

Das Hotel Schloss Wartenstein in Pfäfers ob Bad Ragaz kannte ich von früher als gutes Speiserestaurant mit Aussicht. Dass man dort auch übernachten kann, entdeckte meine Frau am PC. Ich kam spät an, schlief in einem romantischen Zimmer mit Baldachin und schaute mir nach Mitternacht aus Neugierde das Nachbarzimmer an, die «Schreibstube»:  klein, quadratisch und gemütlich mit schönem Holztäfer. Sein Badezimmer ist mit Utensilien des Grand Hotel Quellenhof bestückt.

Beim Öffnen des Fensters nahm die Aussicht mir buchstäblich den Atem weg - und ich bin diesbezüglich ja einiges gewohnt: 50 Meter entfernt steht perfekt ausgeleuchtet eine gewaltige Christusstatue - ein Hauch von Rio de Janeiro! Etwas weiter unten eine ebenfalls beleuchtete Burgruine und darunter - es war Vollmond bei Kaiserwetter - die ganze Pracht des Rheintals von Malans über die Rebberge der Herrschaft bis zu den Churfirsten: grossartig!

Beim Sonnenaufgang über dem Falknis wiederholte ich meinen Besuch in der Schreibstube, und auch beim folgenden Frühstück war ich völlig weg von der Aussicht auf diese einzigartige Landschaft in herbstlicher Farbenpracht.

Natürlich interessierte mich beim Aus-checken der nachbarliche Zimmerpreis: 85 Franken pro Person, inkl. Frühstück. Wenn das kein Tipp und Volltreffer ist! Auch für Romantiker aus der Region, die im Tal unten jahrzehntelang hin und her düsen, ohne je auf die Idee zu kommen, in der «Schreibstube» auf Schloss Wartenstein oben einmal zu nächtigen und den Vollmond zu genießen...

Das zweite Hotel rief ich auf Empfehlung von Brigitte Jöhri selber an: 'City West' in Chur. Ein zahlbares Einzelzimmer war verfügbar, aber als Felsberger wollte ich eines mit Blick auf mein Dorf, den Calanda, die Emser und Taminser Kirchtürme samt den Brigelser Hörnern im Oberland.

«Das kostet 20 Franken mehr», tönt es aus dem Apparat. Das ist es mir als Heimwehbürger wert, und ich leiste mir das Zimmer 907 mit Panoramablick direkt aus dem Bett - ein Tipp für jeden Felsberger und Churer, bei besonderer Gelegenheit und schönem Wetter mal aus ungewohnter Perspektive zu staunen, wie schön unsere Gegend ist!

Und wenn wir schon dabei sind: Während meiner fünftägigen «Tour de Suisse» hatte ich mit weiteren Spitzenaussichten zu tun. Der Älplibahn von Malans bis zur Waldgrenze hinauf unter den Vilan – eine Art Mouttas Muragl des Churer Rheintals sowie dem Glacier Express zwischen St.Moritz und Zermatt, über den ich im letzten Blog berichtet habe.

Dazu noch einen Insider-Aussichtstipp: Am 1. Oktober 2020 ist Vollmond. Die Panoramafahrt, inklusive UNESCO-Welterbe und Ruinaultaschlucht bietet zu dieser Jahreszeit acht Stunden Herbstfarben vom Feinsten. Zur Übernachtung in Zermatt empfehle ich das Hotel Kulm, gut 3000 Meter über Meer auf dem Gornergrat mit 24 Stunden Aussicht pro Tag aufs Matterhorn (Vollmond) sowie gegen 30 weitere 4000er in der Umgebung: einzigartig und zum gleichen Preis wie das Jahr über. Schöne Reise!

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