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Baumriesen im Engadin und Graubünden

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WIKIMEDIA
Hans Peter
Danuser

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind im Engadin zu Hause und zeigen uns ihren Blickwinkel. Was bewegt Land und Leute? Wo ist das Engadin stark und wo hinkt es einzelnen Mitbewerbern hinterher? Und was geschieht auf politischer Bühne? Der Blog «Engadin direkt» berichtet persönlich und authentisch.

Wussten Sie, dass in den Schweizer Alpen die ältesten Arven, Lärchen, Fichten und Bergahorne der Welt stehen – neben über 500 Millionen weiteren Bäumen im Land? Soeben ist das faszinierende Buch «Baumriesen der Schweiz» in der sechsten, erweiterten Auflage erschienen mit grossartigen Bildern und erstaunlichen Fakten über unsere «sanften Giganten», die allesamt mit den neuen Klimabedingungen klarkommen müssen. Auch in der Südostschweiz, Graubünden und dem Hochtal Engadin.

18 der gut 200 vorgestellten Baumexemplare stehen in Graubünden, acht davon mit internationaler Bedeutung und höchstem Schutzstatus: Die Nummer 1 des Bandes, die Eberesche von Müstair; die Giganten des höchst gelegenen Arvenwaldes in Tamangur, Val S-charl, Scoul mit über fünf Meter Umfang; die Arve von Avers; der Holunder von Andeer, die drei Arven von Celerina und die Esche von Peist im Schanfigg.

Weltweit stehen nirgends so viel Arven wie in den Schweizer Alpen. Die mächtigsten drei finden wir oberhalb von Celerina zwischen dem Lej da Staz (Stazersee) und der Hochebene Muottas da Schlarigna (2300 m ü.M.) Die älteste dieser Arven ist ca. 600-jährig (um 1410) mit 6,70 Meter Stammumfang.

Die Wälder im Oberengadin sind dominiert von Arven und Lärchen, die beide im Buch hervorragend beschrieben und differenziert werden. Vergleichbare Lärchenbestände weisen neben Graubünden auch das Tessin und das Wallis auf. In Sachen Baumriesen schwingt im Buch bei den Arven das Engadin obenauf, bei den Lärchen klar das Wallis. Eine gegen 900 Jahre alte Lärche bei Prario /SW Sitten auf 2000 m ü.M. hat einen Stammumfang von fast zwölf Metern.

Die Information und Geschichten zu den Vorzügen und Eigenschaften des Arven- und Lärchenholzes sind erstaunlich und unterhaltsam. Eine einzige kleine Korrektur ist angebracht. Die perfekt erhaltene, vor gut 100 Jahren entdeckte Quellfassung von St. Moritz Bad stammt nicht von den Römern. Die Archäologen von Chur und der Universität Zürich haben festgestellt, dass die gewaltige Lärche bereits im Frühling des Jahres 1411 v. Chr. mit Bronze-Äxten gefällt, zerteilt und ausgehöhlt wurde. Das war 200 Jahre, bevor Moses mit seinem Volk aus Ägypten zog und 700 Jahre vor der Gründung Roms, und das im abgelegenen Hochtal 1774 m ü.M.!

Dass Lächenholz nicht nur wasserresistent und über Tausende von Jahren haltbar ist, sondern auch heute noch aktuell ist, zeigt die Fassade der berühmten Chesa Futura von Architekt Lord Norman Foster an der Via Tinus in St. Moritz Dorf. Sie besteht aus Schindeln von Engadiner Lärchenstämmen.

Gut zwei Prozent des Schweizer Baumbestandes stammen übrigens aus Felsberg am Calanda: 12 Millionen 30 bis 70-jährige Lärchen, die zwecks Aufforstung und Lawinenschutz primär in Graubünden, Tessin und Wallis gepflanzt wurden. Ob Felsberg steht 800 m ü.M. auf Laschein auch die ca. 600-jährige Traubeneiche, eine des ältesten Europas, mit 7,20 Metern Stammumfang.

Im gleichen Verlag liegt übrigens in vierter Auflage auch das Buch «Wege zu Baumriesen» vor: 20 Rundwanderungen zu alten Bäumen der Schweiz.

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