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Fünf Sterne für Genussradler: Alpin und mediterran

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pixabay
Hans Peter
Danuser

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind im Engadin zu Hause und zeigen uns ihren Blickwinkel. Was bewegt Land und Leute? Wo ist das Engadin stark und wo hinkt es einzelnen Mitbewerbern hinterher? Und was geschieht auf politischer Bühne? Der Blog «Engadin direkt» berichtet persönlich und authentisch.

Das Oberengadin ist ein Paradis für Velofahrer. Nicht nur für Sportler und Leistungs-Cracks, sondern gerade auch für Lady- und Gentleman-Biker – für Genussradler. Dank der ebenen Talböden und Uferwege den Seen entlang – stets 1700 m ü. M. und höher, bietet das riesige Radwegnetz viele flache Panorama Strecken für Geniesser. Das ist das eine.

Was weltweit einmalig ist und immer mehr Gäste und Einheimische praktizieren, ist die Kombination des Höhenklimas mit Abstechern zu den Palmen und mediterranen Reizen des nahen Comersees auf nur 200 m ü. M. .

Diese Gegensätze sind faszinierend innerhalb so kurzer Distanz, vor allem auch weil die Verbindungsroute durch das Bergell hinab ebenfalls ein Velo-Leckerbissen ist. Meine Lieblingsvariante habe ich an dieser Stelle bereits einmal skizziert: «Vista e veloce» – in 3,5 Stunden von St. Moritz nach Colico: mit Postauto bis Naciarina, von dort abseits der Hauptstrasse das Bergell hinunter und auf dem Radweg Nr. 6 bis Chiavenna, und von dort mit dem Zug weiter zum Comersee. Zu diesem gibt es ebenfalls eine Königsvariante, die den oberen Teil des Sees elegant mit dem Centrolago verbindet und erschliesst – ohne die beiden See Beine nach Lecco und Como, die sich für Genussradler nicht eignen, da zu viel Motorverkehr und kein Radweg.

Aus genau diesen Gründen fahren wir mit dem Zug von Colico nach Varenna und nehmen dort ein Schiff nach Bellagio. Beide Orte zählen zu den schönsten am See, ideal zum Bummeln und für einen Espresso an der Schiffslände. Weiter geht es per Fähre nach Cadenabbia, wo Deutschlands legendärer Kanzler Adenauer seine Ferien und Freizeit genoss.

Ab dort radeln wir nun bis Sorico am oberen See-Ende mit wenigen Ausnahmen direkt dem See entlang, mit einer traumhaften Panoramasicht auf den See und die beiden Ufer – eins vis à vis in der Ferne, das andere beidseits unseres Radwegs zwischen Wasser, Palmen, Oleandern, Villen und Schlössern – eine echte Märchenfahrt.

Wir passieren auch die Villa La Gaeta in San Siro, Schauplatz im James Bond Film «Casino Royal».  Oft führt der Weg direkt dem Strand entlang, mit kleinen Badebuchten noch und noch. Bei Acquaseria lädt eine Strandbar mit Traumblick auf die Bellagio Halbinsel zu Prosecco und Gelato. Weitere Höhepunkte sind die Uferstrecke von Cremia nach Musso, dessen kleiner Hafen, ebenfalls jeden von Gravedona sowie das Surf- und Kite-Mekka von Domaso.

Nach Sorico kreuzen wir den Fluss Maira aus dem Bergell und der Val Chiavenna und queren die ganze Pian di Spagna bis zur Adda, die aus dem Veltlin kommt. Auf ihrer linken Seite radeln wir Richtung Colico wieder auf der Route 6. Ein wunderschöner Ausflug von vier bis fünf Stunden.

Das ganze Gebiet von Dongo am nördlichen Westufer bis Colico/Olgiasca am gegenüberliegenden Ostufer gehörte von 1512 bis 1524 als Untertanenland den Bündnern. Der legendäre Condottiere «Medeghin» jagte es den Bündnern nach Art der Borgias ab. Sie überliessen das Gebiet bis etwa zur Mitte der Pian di Spagna in Folge den Mailändern. Bedingung war, dass Medeghin seine Raubritterburg oberhalb von Musso schleifen und seine Flotte, mit der er den See beherrschte, aufgeben musste.

Optimale Jahreszeit für Radausflüge vom Engadin an den Comersee ist April bis Oktober mit Ausnahme der ersten Augusthälfte, die meist voll und heiss ist. Und gut zu wissen ist, das der Transport von Fahrrädern mit den Schweizer Postautos kein Problem ist. Allerdings werden in Italien von den blauen Linienbussen keine Fahrräder transportiert. Nur im Zug und Schiff möglich.

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