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Von der Idee zur Innovation – mit Mut, Grips … und Glück

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Hans Peter
Danuser

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind im Engadin zu Hause und zeigen uns ihren Blickwinkel. Was bewegt Land und Leute? Wo ist das Engadin stark und wo hinkt es einzelnen Mitbewerbern hinterher? Und was geschieht auf politischer Bühne? Der Blog «Engadin direkt» berichtet persönlich und authentisch.

Nachdem die Idee zur Zukunft des Julierturms einigen Wirbel verursacht, will ich heute für die Idee als solche eine Lanze brechen. Viele haben Ideen, bringen sie aber nicht aufs Tapet. Dabei sind sie gratis, und niemand weiss am Anfang, ob es sich um einen Bier-, Schnaps- oder goldene Idee handelt, sie sich bei der Umsetzung im Markt behauptet und damit zur Innovation wird, die nachgefragt und bezahlt wird.

Beispiele dazu habe ich in St. Moritz und anderswo viele erlebt. Wer ein kleines Budget hat und in einem gesättigten Markt trotzdem etwas bewegen will, ist auf Ideen angewiesen. Und wenn ich so zurückblicke, gehen die meisten unserer erfolgreichen Neuerungen/Innovationen auf oft schräge Ideen zurück. Etwa:

  • Die Marke Heidiland (1978): literarisch in und um Maienfeld, in der TV-Serie von 1977 aber im Oberengadin. Seither hat St. Moritz Gäste aus Asien …
  • Relaunch Glacier-Express (1982), obwohl der (Rhone)-Gletscher infolge Tunnel vom Zug aus nicht mehr sichtbar ist…
  • Schneepolo (1985), obwohl ausser Reto Gaudenzi alle sagten «unmöglich und zu gefährlich». Später hat sich gezeigt, dass es auf Schnee 30% weniger Unfälle gibt, als bei Polospielen auf Rasen oder Sand.
  • Registration des Ortsnamens St. Moritz als Marke, obwohl geografische Bezeichnungen bis dahin nicht geschützt werden konnten. Einer musste den Anfang machen.
  • British Classic Car Meeting, obwohl die meisten St. Moritzer Gäste und Einheimischen deutsche Wagen fahren. Audi hatte damals im Engadin einen Marktanteil um die 40%.
  • Gourmet Festival, trotz der damaligen Skepsis gegenüber den grossen Küchenbrigaden der Grandhotels.

Alles beginnt mit einer Idee, und das ist nicht nur im Engadin so. Denken wir an das Humorfestival oder aktuell an die Bären von Arosa. Heute sind das Publikums- und Marketingknüller erster Güte, obwohl die Branche während Jahren gegen solche abstruse Ideen gemeckert hat.

Neue, überraschende Ideen kosten nichts: ihr Outing, ihr Um- und Durchsetzen braucht aber viel Mut, Kraft, Grips, Hartnäckigkeit und Glück. Dazu gehören Mitstreiter, Teams, Partner, Sponsoren, Behörden … Aktuelle Musterbeispiele dafür sind «Origen» und das «Festival da Jazz», die beide nicht nur in der Qualität ihrer Eventleistungen, sondern auch in der Professionalität ihrer Kommunikation und Markenpflege neue Masstäbe setzen. Und hinter beiden Marken steht jeweils ein «Guru» mit Persönlichkeit und Charisma: Giovanni Netzer und Christian Jott Jenny.

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