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Der erste Wein am Rhein

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Luftbild des Felsberger Rebberges «Goldene Sonne».
MARCO HARTMANN
Hans Peter
Danuser

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind im Engadin zu Hause und zeigen uns ihren Blickwinkel. Was bewegt Land und Leute? Wo ist das Engadin stark und wo hinkt es einzelnen Mitbewerbern hinterher? Und was geschieht auf politischer Bühne? Der Blog «Engadin direkt» berichtet persönlich und authentisch.

Die aktuelle Kampagne «Graubünden Viva!» baut darauf, dass nicht nur die Liebe über den Magen geht, sondern auch die Ferienfreude. Und weil Graubünden kulinarisch sehr vielfältig und attraktiv ist, zelebriert die Kampagne dieses Thema auf der ganzen Klaviatur der heutigen Möglichkeiten.

Eine für Gäste aus der Ferne oft überraschende kulinarische Stärke ist «Graubünden Wein». Das tönt für Gäste nicht-deutscher Muttersprache offenbar etwas verwirrlich, wie ich bei Freunden aus dem US-Staat Oregon, der für seinen Blauburgunder bekannt ist, bemerkt habe. Für sie war «Graubündner» schlicht «Grau-Burgunder», «Pinot gris» oder «grigio». Den gibt es hier zwar auch, doch ist die wichtigste Traubensorte der Bündner Weinbauern der Herrschaft und im Churer Rheintal klar der Blauburgunder, bekannt als «Pinot noir», stellte ich klar. Daneben gibt es aber auch ausgezeichneten Riesling-Silvaner, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Grünen Veltliner, Gewürztraminer, Completer – alles Weissweine – sowie in Rot auch Dornfelder, Cabarnet Jura, gar Merlot und Malbec, Sauvignon Noble und Portwein.

Das haben meine Freunde in einem ausgesprochenen Gebirgskanton und unter dem Begriff «Graubünden» nicht erwartet. Sie haben im Wallis den exzellenten «Johanneli-Fi»-Weissen aus dem Heidadorf Visperterminen getrunken, dem höchsten Weinberg Europas (1200 m ü.M. mit 47 km Trockenmauern), während sie im Tal darunter mit dem Glacier-Express Richtung Zermatt zuckelten. Wenn sie aber gewusst hätten, dass in Graubünden der erste Wein am Rhein (the first wine on the river Rhine) wächst, hätten sie den gewählt.

Und tatsächlich: Alle Passagiere der RhB und Nutzer der A13 sehen bei Domat/Ems jenseits des Rheins auf den schönen Terrassen am Fuss des Calanda den ersten Weinberg am Rhein. Zu Recht heisst der dortige Riesling Silvaner «Goldene Sonne» – ein Spitzentropfen: der erste von all den legendären Weinen, die diesen Fluss auf der ganzen Welt wie die Mosel oder den Douro berühmt gemacht haben.

Die Bündern sollten sich ein Stück vom Walliser Selbstbewusstsein abschneiden und ihrem «Graubünden Wein» den Slogan «Der erste Wein am Rhein» beifügen und dafür sorgen, dass dieser ebenfalls auf dem Glacier-Express angeboten wird. Der fährt jährlich gegen eine Viertelmillion Passagiere durch unsere Täler, und authentische Kulinarik aus der Region ist eine perfekte Ergänzung des Augenschmauses durch die Panoramafenster.

PS: Der allererste Wein am (Vorder-)Rhein wächst bei Sagogn unterhalb Ilanz an den 400 Solaris-Rebstöcken von Aron Candrian. Im Raum Bonaduz/Rhäzüns soll es auch am untersten Hinterrhein Rebgärten geben …

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