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Braucht St. Moritz ein eigenes Altersheim?

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Das altehrwürdige Hotel Du Lac
HELVETIC ARCHIVES
Hans Peter
Danuser

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind im Engadin zu Hause und zeigen uns ihren Blickwinkel. Was bewegt Land und Leute? Wo ist das Engadin stark und wo hinkt es einzelnen Mitbewerbern hinterher? Und was geschieht auf politischer Bühne? Der Blog «Engadin direkt» berichtet persönlich und authentisch.

St. Moritz hat 5‘000 Einwohner und plant mit Silvaplana und Sils, die 1‘000 bzw. 700 Einwohner haben, ein gemeinsames Alters- und Pflegeheim auf dem Du Lac Areal in St. Moritz Bad. Die restlichen Gemeinden des Oberengadins mit zusammen 10‘500 Einwohnern planen den Ausbau des bestehenden Heims Promulins in Samedan, wenige Kilometer vom Du Lac Areal entfernt. Die Stimmbürger der drei Seegemeinden hatten einen Planungskredit zur Evaluation eines geeigneten Projekts bewilligt, und jetzt liegt ein schöner Siegervorschlag auf dem Tisch, der allen Beteiligten gefällt. Was noch nicht bekannt ist, sind die Investitions- und Betriebskosten des neuen Heims. Schätzungen bewegen sich zwischen 30 und 40 Mio. Franken, die dann über die jährliche Betriebsrechnung amortisiert und dieser – zusammen mit dem zu erwartenden Defizit anbelastet würden.

Spätestens hier stellt sich für den St. Moritzer die Sinn- und Kostenfragen des Ganzen. Ein Blick auf die aktuelle Entwicklung und Realität des Alters- und Pflegebereichs in der Schweiz zeigt, dass die Zeit der „Bürgerheime“ vorbei ist und sich heute private und gemischtwirtschaftliche Lösungen besser bewähren. Es ist weder Aufgabe noch (Kern-)Kompetenz eines Ferienorts, ein Alters- und Pflegeheim zu erstellen und zu betreiben. Schon gar nicht, wenn in nächster Nähe ein ausbaufähiger Betrieb dieser Art besteht und die gesamte Talbevölkerung bei weniger als 20‘000 Einwohnern stagniert. Wenn ein Ort, der weitgehend vom Gast lebt, auf einem Gelände, das seit Jahrzehnten als rarer Standort für ein neues Hotel bewahrt wurde, jetzt dort gegen jede betriebswirtschaftliche Vernunft ein Altersheim baut, ist er tatsächlich selbst alt geworden. Man denkt zuerst an sich und seine letzten Tage, statt an den Gast, von dem wir leben. Wann wurde in St. Moritz das letzte neue Hotel eröffnet? Pontresina zeigt uns seit Jahren, wie man es macht.

Statt viel Energie und Geld für ein perfektes „Bürgerheim“ aufzuwenden, sollten wir einen potenten und erfahrenen Investor für ein Hotel im Gesundheitsbereich suchen, der auch den Terzialteil berücksichtigt, falls der neben einem erweiterten Promulins Samedan noch gefragt ist. Es gibt solche Unternehmungen in der Schweiz, deren Präsidenten und Miteigentümer zu den Engadiner Stammgästen zählen, und die wir ernsthaft in die Abklärungen einbeziehen sollten, bevor wir in einen weiteren Bereich investieren, der jährliche Defizite bringt.

Die Stärke von St. Moritz liegt klar im Outdoor-Bereich und der Qualität der Hotellerie. Wenn zur Belastung des Ovaverva-Betriebs weitere Indoordefizite stossen, wie im geplanten Du Lac-Heim, Reit- und allfälliger Eishalle etc. steigt der entsprechende jährliche Fehlbetrag in St. Moritz bald einmal über 1‘000 Franken pro Jahr und Einwohner, inkl. Grosis und Babies. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Bleiben wir beim bewährten Erfolgsrezept von St. Moritz: Schaffen wir gute Rahmenbedingungen für die Hotellerie, bestehende und dringend auch neue! Jedes bewirtschaftete Gästebett ist ein kleiner Wirtschaftsmotor, und diese gilt es zu pflegen, nicht den Altersbereich.

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